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- Katalog der Handschriften der Abtei Pfäfers im Stiftsarchiv St. Gallen. Bearb. von Romain Jurot unter der Mitwirkung von Rudolf Gamper (Studia Fabariensia 3) Dietikon-Zürich: Urs Graf 2002. 127 S. Geb. sFr. 98,-.
ISBN 3-85951-212-9.
Beeindruckender Torso
einer in ihrem genauen Umfang unbekannten Bibliothek
Beschrieben werden 28 mittelalterliche (davon fünf fragmentarisch überlieferte) und 18 neuzeitliche Handschriften der 1838 aufgehobenen Benediktinerabtei Pfäfers, die heute den wertvollsten Kern des Buchbestandes im Stiftsarchiv St. Gallen bilden. Eine Liste von 48 Drucken des 15. und 16. Jhs., die einst zur Pfäferser Klosterbibliothek gehörten und sich heute (mit zwei Ausnahmen) in der Stiftsbibliothek St. Gallen befinden, wird in der Einleitung aufgeführt. Diese Liste erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit und gibt – nach Stichproben der Herausgeber in schweizerischen Universitätsbibliotheken – nur einen vorläufigen Einblick in den nach der Säkularisierung offenbar zum Teil der Verstreuung anheimgefallenen Bestand der Klosterbibliothek an frühen Drucken.
Aber auch die katalogisierten mittelalterlichen Handschriften dürften nur einen Teilbestand der Bibliothek des Klosters Pfäfers vor dem verheerenden Brand von 1665 repräsentieren. Darauf lassen die Ausführungen zu den Codices dispersi (S. 17 f.) schließen, wo den Hinweisen auf Bücher Pfäferser Provenienz in andern Bibliotheken nachgegangen wird. Wichtige Pfäferser Hss. oder Codices, die im Mittelalter vorübergehend in der Bibliothek von Pfäfers Aufnahme gefunden hatten, finden sich heute noch in Einsiedeln, Karlsruhe und München. Bei einer heute in Stuttgart liegenden churrätischen Handschrift mit juristischen Texten, die verschiedentlich mit Pfäfers in Verbindung gebracht worden ist, können die kodikologischen Hinweise jedoch die Vermutung von Pfäfers als Bibliotheksheimat nicht erhärten.
Der Aufbau des Bandes – übrigens das erste kommentierte und im Druck vorliegende Inventar der in St. Gallen liegenden Pfäferser Hss. überhaupt – folgt dem bewährten Modell: Einer anregenden, gut dokumentierten und reich illustrierten Einleitung zur Bibliotheksgeschichte, zu den textspezifischen Schwerpunkten und den Zimelien der Sammlung folgt der eigentliche Katalogteil mit den auf Sorgfalt, Einheitlichkeit in der Nomenklatur und Kürze achtenden Beschreibungen. Eine tabellarische Synopse der acht erfassten Kalendarien, eine Konkordanz der in den Hss. original oder kopial gefundenen und allesamt edierten Urkunden sowie ein Register der Verfasser, Namen, Orte und Sachen erschließen den Band.
Ab wann wurden in Pfäfers selbst Codices geschrieben?
In der Einleitung tragen die Bearbeiter aus ihren Einzelbeobachtungen und der bisherigen Forschung viele Bausteine zusammen, die es erlauben, von der eruierbaren Geschichte der einzelnen Codices, den zumeist fragmentarisch überlieferten mittelalterlichen Bücherkatalogen, der Schriftgeschichte und der Geschichte des Konvents her auf die Entwicklung der Klosterbibliothek und auf das Pfäferser Skriptorium zurückzuschließen. Dabei erweisen sich scheinbar gefestigte und bis in jüngste Publikationen verbreitete Zuweisungen an ein frühmittelalterliches Skriptorium in Pfäfers als nicht gesicherte Hypothesen. Die in der Einleitung vorgelegten und durchaus nachvollziehbaren Befunde erlauben erst ab dem frühen 11. Jahrhundert mit einiger Sicherheit von einem Skriptorium in Pfäfers auszugehen.
Mithin bleibt auch die Herkunft des berühmten Liber Viventium (Cod. Fab. 1) "unklar" (S. 11). Für Cod. Fab. X u.a. mit den Dialogen Gregors des Großen aus der 1. Hälfte des 9. Jh. ("südwestdeutsch"), der um 1000 die Vorlage für eine in Pfäfers geschriebene Kopie dieser Hs. abgibt (was sich auch anhand der Bücherverzeichnisse nachvollziehen lässt), wird Pfäfers als Entstehungsort nicht einmal erwogen. Cod. Fab. XXX mit der Lex Romana Curiensis, geschrieben in rätischem Schriftstil vom Subdiakon Orsicinus, "dürfte nicht in der Abtei Pfäfers entstanden sein" (S. 11).
Die Gewissheiten zu erschüttern, mit der die bisherige Forschung in diesen Codices Hervorbringungen der Abtei Pfäfers angenommen hat, ist zweifellos angebracht. Doch hüte man sich vor Umkehrschlüssen! Die vorgebrachten Argumente und Hinweise genügen wohl, ein Pfäferser Skriptorium für die Zeit vor 1000 in Zweifel zu ziehen. Sind sie aber auch hinreichend, die Existenz eines solchen auszuschließen? Wohl kaum. Im Falle des Cod. Fab. XXX mit der Lex Romana Curiensis ist die Tatsache, "dass diese Handschrift der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erst im 12. Jahrhundert in den Pfäferser Bücherverzeichnissen erscheint", vielleicht "ein Indiz dafür, dass die Handschrift nicht in Pfäfers geschrieben wurde" (S. 14). Was die Bearbeiter über den Charakter dieser Bücherlisten schreiben, die gerade "nicht als eigentliche Bibliothekskataloge des Klosters Pfäfers interpretiert werden" (S. 12) dürfen, weist selbst auf die beschränkte Aussagekraft solcher Indizien hin.
Wie immer die Forschung künftig diese und andere Fragen rund um die Pfäferser Handschriften beurteilen wird: ihr ist mit diesem Katalog ein ausgezeichnetes Hilfsmittel an die Hand gegeben worden.
Dr. Hannes Steiner
Universität Zürich
Historisches Seminar
Fachbereich Mittelalter
Karl Schmid-Str. 4
CH 8006 Zürich
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IASLonline ISSN 1612-0442
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Redaktionell betreut wurde diese Rezension von Katrin Fischer.
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