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Ein »Who is Who« der Luxemburger Literatur

  • Germaine Goetzinger / Claude D. Conter: Luxemburger Autorenlexikon. Mersch: Centre national de littérature CNL 2007. 687 S. Gebunden. EUR (D) 45,00.
    ISBN: 978-2-919903-06-1.
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Ein bedeutsames Nachschlagewerk ist anzuzeigen: das Luxemburger Autorenlexikon, von dem trotz verschiedener literarhistorischer Vorstudien 1 mit Fug und Recht behauptet werden kann, dass es vor allem für kulturinteressierte Kreise im Großherzogtum ein lange vermisstes Desiderat darstellt. Es entstand nach siebenjähriger Redaktionsarbeit, unterstützt durch den Fonds National de la Recherche, in einer Forschergruppe des CNL (Centre national de littérature) und der Université du Luxembourg. Zu ihr gehörten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Germaine Goetzinger, Claude D. Conter, Gast Mannes, Pierre Marson, Roger Muller, Nicole Sahl, Sandra Schmit und Frank Wilhelm. Sie haben durchweg klar strukturierte und plastisch formulierte Artikel gestaltet und informieren uns über nicht weniger als 978 Namen der Luxemburger Literatur, darunter auch 700 Schriftsteller-Pseudonyme, die gut 10.000 Werke in zwölf Sprachen verfasst haben.

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Zeitrahmen und literarischer Kontext

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Der zeitliche Rahmen des Lexikons erstreckt sich vom frühen 19. Jahrhundert bis zur unmittelbaren Gegenwart. Er orientiert sich an der spezifischen nationalstaatlichen Entwicklung des Großherzogtums, dem im Wiener Kongress 1815 Souveränität verbürgt wurde und das seit dem Londoner Kongress 1839 eine völkerrechtliche Garantieerklärung für seine staatliche Unabhängigkeit erhielt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden in Luxemburg auch erste literarische Texte, gemäß der besonderen kulturellen Situation im Lande in allen drei dort praktizierten Sprachen: Luxemburgisch, Deutsch und Französisch. Das erste im Lande erschienene Buch in deutscher Sprache war Ludwig Marchands Rudolf und Adelhaide (1826), das erste in Luxemburgisch verfasste Werk Anton Meyers Gedichtband E’ Schrek ob de’ Lezeburger Parnassus (1829). 1855 folgte in Französisch Félix Thyes’ Künstlerroman Marc Bruno. Derselbe Autor schrieb 1854 auch die erste Literaturgeschichte des Landes (Essai sur la poésie luxembourgeoise), worin er die Eigenständigkeit der Luxemburger Literatur betonte und sie durch Triglossie gekennzeichnet sah.

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Auswahlkriterien

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Die beeindruckende Zahl von 978 bearbeiteten Autoren wurde in einem Auswahlverfahren aus insgesamt knapp 3000 Namen ermittelt. Die dem zugrunde gelegten Kriterien verdienen besondere Beachtung, weil sie das Verständnis der Herausgeber der Luxemburger Nationalliteratur im Sinne einer Literaturlandschaft offen legen, d.h. es wurden nicht nur Luxemburger Staatsbürger bzw. dort Geborene aufgenommen, sondern auch solche Vertreter der Literatur, die eine bestimmte Zeit auf dem Gebiet des Großherzogtums gelebt oder publiziert haben, ohne dessen Nationalität zu besitzen. Insbesondere gilt das etwa für deutschsprachige Exilanten seit 1933 oder zahlreiche seit den 1970er Jahren in Luxemburg publizierenden Beamte der EU. Auf der anderen Seite wurden auch ausgewanderte Luxemburger Autoren berücksichtigt, deren Verlage mehrheitlich im Ausland lagen oder die (meist aus beruflichen Gründen) eine andere Staatsangehörigkeit angenommen hatten, sofern sie einen gewissen Nachhall in Luxemburgs Kulturszene fanden.

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Der Autorenbegriff ist erweitert und begrenzt zugleich. Einerseits zählen Übersetzer dazu, denen ja heute auch das Urheberrecht eigenständige literarische Leistungen attestiert. Andererseits fehlen nichtbelletristische Publizisten und Verfasser von (wissenschaftlicher) Sachliteratur. Die leichte Muse in Form von Comics ist nicht vertreten, was gewiss verschmerzt werden kann, zumal ein entsprechendes Grundlagenwerk von Luke Haas soeben erschienen ist. 2

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Das Lexikon versteht sich intentionsgemäß als »sachliches Informationshandbuch« und verzichtet dabei weitgehend auf literarische Wertungen. Immerhin verlangt es in quantitativer Hinsicht insofern Mindeststandards, als wenigstens eine selbständige Publikation vorliegen soll. Ausgenommen sind fahrende Sänger als Vertreter der oralen Literaturtradition sowie unveröffentlichte Theaterstücke, die gleichwohl überlokale Wirkung entfaltet haben, z.B. durch Aufführungen auf einer wichtigen Bühne des Landes.

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Aufbau der Beiträge

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Neben den auch andernorts üblichen Angaben zur allgemeinen Biografie und Schriftstellerkarriere, die jeweils durch ein Autorenfoto ergänzt werden, finden sich in diesem Band zusätzlich Informationen z.B. zu kulturellen und sozialen Aktivitäten, zur Mitarbeit in Zeitschriften oder literarischen Vereinigungen, motivgeschichtliche Charakterisierungen sowie Übersetzungen, Vertonungen, Verfilmungen und Prämierungen. Besonders wichtig sind Hinweise, die der weiterführenden Beschäftigung mit einem Autor dienen, z.B. Schriftstellernach- bzw. –vorlässe. Entsprechende Bestände in öffentlich zugänglichen Archiven und Bibliotheken sind mit den jeweiligen Signaturen vermerkt.

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Fazit

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Ein für die Luxemburger Literaturgeschichtsschreibung unerlässliches Grundlagenwerk steht nunmehr zur Verfügung, das über seinen pragmatischen Charakter hinaus den kultursoziologisch Interessierten zum anregenden Schmökern einlädt. Auch für Nicht-Luxemburger, deren Kenntnis der heimischen Literatur vielleicht auf Namen wie Roger Manderscheid, Guy Helminger, Aline Mayrisch bzw. den »Mabuse«-Erfinder Norbert Jacques beschränkt ist, bietet der Band so manche Gelegenheit zur kurzweiligen grenzüberschreitenden Horizonterweiterung. Und das ist gewiss nicht wenig.

 
 

Anmerkungen

Vgl. das im Lexikon (S. 14–16) enthaltene Verzeichnis der benutzten Nachschlagewerke.   zurück
Luke Haas: Comics in, aus und über Luxemburg. Esch-Alzette 2007.    zurück