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Der Begriff der ›Literaturverfilmung‹ ist nicht allein aufgrund seiner stilistischen Nähe zu ähnlichen Konfix-Bildungen (wie ›Verwurstung‹ oder ›Verhunzung‹) kritisch in den Literatur- und Filmwissenschaft diskutiert worden: In ihm schwingt ein Prioritätsverhältnis mit, das den Akzent auf die Originalität der Schrift und die Abhängigkeit des jeweiligen Films von ihr legt. Insbesondere die ästhetischen Differenzen zwischen den Medien scheinen in diesem inferioren Verhältnis nicht zur Genüge zur Ansprache zu gelangen: Dient ein literarischer Text zur Vorlage eines Films, so stellen sich Kritiker und das Publikum häufig genug die Frage, was denn nun ›besser‹ sei – das Buch oder der Film? Dabei ist diese Frage nicht nur nicht mit einem Vergleich von Narration und Struktur beider zu beantworten; sie ist eigentlich jenseits idiosynkratischer Argumentation gar nicht zu klären. Deshalb spricht die Rezeptionstheorie von ›Adaptionen‹, wenn es um Umsetzungen zwischen den Medien geht, denn darin gelangt die mediale Differenz weniger wertend zum Ausdruck.
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Dieser Vorgehensweise enthält sich die vorliegende Publikation des Aachener Filmkritikers Alexander Klotz – aus welchem Grund bleibt zunächst unklar. Klotz widmet sich literarischen Adaptionen – oder wie er eben schreibt: ›Verfilmungen‹ – des Horrorgenres und unternimmt eine vergleichende Untersuchung ihrer Erzählstrategien. Dabei interessiert ihn zunächst, wie sich das Genre überhaupt definitorisch eingrenzen lässt. Er greift auf mittlerweile kanonisierte Definitionen literatur- und filmtheoretischer Provenienz zurück und richtet seine Betrachtungen insbesondere an Roger Caillois und Tzvetan Todorov aus: ersterem entnimmt er eine gattungstheoretische Kategorisierung innerhalb der fantastischen Literatur, nach der Horrorstoffe von Märchen-, Science-Fiction- und Fantasy-Stoffen unterscheidbar werden; zweiterem einen phänomenologischen Standpunkt, mit dem er nach Differenzen und Wahrscheinlichkeiten / Unwahrscheinlichkeiten zwischen der Alltagserfahrung des Lesers und dem Sujet des Textes fragt. Klotz handelt diesen Aspekt in der Einleitung seines Buches äußerst knapp ab, um sich dann in dessen Hauptteil verschiedenen ›Literaturverfilmungen‹ zu widmen.
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Die Entwicklung des Horrorfilm-Genres am Beispiel populärer literarischer Vorlagen interessiert ihn hier zentral, und so stellt er kanonische Texte, wie Mary Shelleys Frankenstein, Bram Stokers Dracula, verschiedene Erzählungen E.T.A. Hoffmanns und Edgar Allen Poes sowie etlicher anderer Autoren ihren filmischen Adaptionen gegenüber. Die Vergleiche werden dabei nicht selten von Geschmacksurteilen begleitet, nach denen Klotz die eine Adaption für gelungen, die andere für misslungen hält. Nach der zunächst akademischen Einführung in das Thema folgen also nun eher filmkritische Erwägungen, die zwar keineswegs ›falsch‹ sind, aber doch diskutabel bleiben, nicht zuletzt, weil sie nicht selten auf sehr persönliche Wertungen (von »Meisterwerk« über »effekthascherisch« bis »langweilig«) zurückgreifen.
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Das Problem, das sich hier auftut, hat seine Ursache im Aufbau des Bandes. Einer sehr kurzen theoretischen Einleitung eine umfangreiche Material-Besprechung folgen zu lassen, welche sich nicht auf das vorher Erarbeitete bezieht, erweckt den Eindruck induktiven Vorgehens: Denn erst nach den Gegenüberstellungen von literarischen Vorlagen und ihren filmischen Adaptionen folgt wieder ein theoretischer Teil, der die vorher gewonnenen Erkenntnisse nun narrationstheoretisch einordnet: Klotz konzentriert sich im 18. und 19. Kapitel vor allem auf die Offenheit / Geschlossenheit fantastischer Erzählungen sowie die Variation eines narrativen Topos, nach dem sich ein Plot nachträglich als Sterbephantasie des Protagonisten entpuppt. Erst hier werden also die notwendigen Begriffe für eine Gegenüberstellung, wie sie zuvor stattgefunden hat, nachgereicht. Dieser Theorieteil hätte besser am Anfang des Buches gestanden, wenn es dann insgesamt auch wesentlich akademischer gewirkt hätte als es vielleicht beabsichtigt war. Dadurch hätte der Autor aber seltener auf Geschmacksurteile zurückgreifen müssen.
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Denn mögen Titel und Untertitel auch suggerieren, dass es sich um eine film- beziehungsweise literaturwissenschaftliche Abhandlung handelt, der Aufbau und der Stil des Bandes sprechen eine andere Sprache: Alexander Klotz fasst seine Erkenntnisse und Urteile, die er als Filmkritiker und Kenner des fantastischen Films über Jahre hinweg gewonnen hat, im Buch zusammen (bereits seine Magisterarbeit zum Autor Leo Perutz hatte er publiziert und seither als Filmkritiker und -publizist gearbeitet). Liest man Der Blick aus dem Augenwinkel aus dieser Perspektive, so stellt sich ein Gewinn ein, der ausbliebe, betrachtete man das Buch unter akademischen Gesichtspunkten. Es geht dann nämlich auch darum, dem in der Materie noch unbewanderten Leser eine Hinführung zum Film-Genre und seinen Wurzeln in der Literatur anzubieten. Die eigentümliche Gewichtung des Verhältnisses zwischen Text und Apparat bezeugt dies schon: Weniger als die Hälfte des Buches wird vom Textteil eingenommen; den Großteil bildet der Apparat mit den Anmerkungen, einigen Sequenzprotokollen (hierauf verweist der Autor bei einigen seiner detaillierten Besprechungen) sowie einer äußerst umfangreichen Aufstellung fantastisch-literarischer Werke und ihrer filmischen Adaptionen. Auch an dieser zeigen sich die eingangs erwähnten idiosynkratischen Anteile der Perspektive, denn nicht selten bildet die vom Autor konstatierte Homologie zwischen Text und Film die Grundlage für das Siegel »Verfilmung«. Diese Perspektive des Autors kann man teilen oder auch nicht – einen Anlass zur Diskussion und Auseinandersetzung bietet sie allemal.
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