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1. Überblick
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Im Herbst 2003 erschien der zweite Teilband der Geschichte des deutschen Buchhandels zum Kaiserreich, wiederum herausgegeben von Georg Jäger, Professor an der Universität München, in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission des Börsenvereins. Damit wird das Mammutprojekt zur deutschen Buchhandelsgeschichte, das sich als Fortführung des Standardwerks von Friedrich Kapp und Johann Goldfriedrich (1886–1913) versteht, fortgesetzt. Das ist angesichts der Kosten, die ein solches Projekt verschlingt, und der auch im Buchhandel leeren Kassen bemerkenswert.
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Teil zwei des ersten Bandes enthält vier Schwerpunkte: zu Beginn werden die im ersten Teilband begonnenen Programmbereiche des Verlagsbuchhandels mit dem Musikalien-, Schulbuch-, Kinder- und Jugendbuch- sowie dem belletristischen Verlag zu Ende geführt. Das Ganze wird durch einen statistischen und topografischen Überblick zum deutschen Verlagswesen sinnvoll abgerundet. Im zweiten Schwerpunkt widmen sich die Autoren den Zeitschriften, wobei zwischen wissenschaftlichen und unterhaltenden Zeitschriften getrennt wird. Es schließt sich drittens ein Abschnitt zu den modernen Vertriebswegen des 19. Jahrhunderts (Kolportage, Bahnhof und Kaufhaus) an. Der vierte und letzte Block behandelt den Zwischenbuchhandel mit Kommissions-, Grossobuchhandel und Barsortiment.
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Ziel ist es, mittels gedruckter Quellen, zeitgenössischer und aktueller Forschungsliteratur eine allgemein verständliche Buchhandelsgeschichte für ein breiteres Publikum bereitzustellen. Das Werk besitzt Überblickscharakter und verzichtet weitestgehend auf spezielle, aktuellen Moden unterworfene Fachtermini oder theoretische Konzepte. Es soll dem Professor wie dem Studierenden als Nachschlagewerk dienen, aber auch dem interessierten Laien buchhandelsgeschichtliche Entwicklungen vermitteln. Alle Kapitel können unabhängig voneinander rezipiert werden.
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Das weite inhaltliche Konzept zielt auf die Darstellung des gesamten produzierenden und verbreitenden Buchhandels bis hin zum Leser. Die Zeit des deutschen Kaiserreichs wird erst im dritten, noch nicht erschienenen Teilband zum Abschluss kommen.
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2. Die Programmbereiche Musikalien, Schulbuch, Kinder- und Jugendbuch sowie Belletristik mit abschließender Buchhandelsstatistik
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Den Band eröffnet der Herausgeber, der bereits einen Großteil des ersten Bandes verfasste, mit der Fortsetzung der Verlagstypologie nach Programmbereichen, konkret mit dem Musikalienverlag (S. 7–61). Jäger beginnt mit einem statistischen Überblick und verknüpft diesen mit der zeitgenössischen Musikkultur. Nach dem Muster des ersten Teilbandes werden allgemeine Bemerkungen mit zahlreichen Beispielen meist bekannter Verlage verbunden.
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Den Besonderheiten des Musikalienhandels hinsichtlich der Produktion und Distribution folgen Fragen der Rabattgebung, des Im- und Exports. Besonders anregend sind die Ausführungen zu sozialhistorischen Phänomenen der privaten und öffentlichen Musikpflege, die schon mal in »Clavierwuth« oder »Clavierseuche« ausarten konnten (S. 32). Spezielle Programmbereiche wie die »Musikalischen Nationaldenkmäler« und die »Historischen Denkmäler-Ausgaben« bei Breitkopf & Härtel, »Billige Ausgaben« oder »Die leichte Muse« werden reizvoll vor ihrem gesellschaftlichen Hintergrund ausgebreitet. Abgerundet wird das Kapitel mit einem mustergültigen Aufsatz zum musikalischen Urheberrecht und den Verwertungsgesellschaften.
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Insgesamt dürfte das von Buchwissenschaftlern eher vernachlässigte Gebiet der Musikalienverlage, die hier anschaulich vorgestellt werden, auch für Musikwissenschaftler eine lohnende Lektüre bieten.
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Jäger ist auch der Verfasser des zweiten Kapitels, das sich mit den Schulbuchverlagen beschäftigt (S. 62–102). Schulbücher unterlagen der Genehmigungspflicht durch die entsprechenden Ministerien des jeweiligen Landes. Da unterschiedliche Bedingungen in den einzelnen deutschen Staaten herrschten, beziehen sich die Ausführungen vornehmlich auf Preußen als Fallbeispiel. Daneben wird Bayern ein größerer Abschnitt gewidmet.
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Das Kapitel beginnt mit Zulassungsverfahren und Schulbuchpolitik; Schulbuchhandel, Schulbuchverlage und programmpolitische Aspekte schließen sich an. Marktbedingungen für Schulbücher und die häufige Verbindung von Schulbuchverlagen mit herstellenden Betrieben bilden weitere Schwerpunkte. Abschließend werden am Beispiel B. G. Teubners in Leipzig die Schnittstellen von Schulbuch- und Wissenschaftsverlag umfassend und gewinnbringend untersucht (S. 84–99).
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Es folgt das Kapitel zum Kinder- und Jugendbuchverlag von Ute Dettmar, Hans-Heino Ewers, Ute Liebert und Hans Ries (S. 103–163). In diesem Kapitel wird zuerst der Begriff der Kinder- und Jugendliteratur anhand seines historischen Wandels und statistischer Daten diskutiert, was dem wissenschaftlichen Anspruch der Publikation förderlich und lesenswert ist. Es folgen Verlagsgeschichten zu Velhagen & Klasing in Bielefeld sowie zum jüdischen Verlag Rütten & Loening in Frankfurt am Main, der mit dem Struwwelpeter einen Bestseller im Programm hatte.
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Beachtenswert ist der leider sehr kurze Abschnitt zum bisher von der Forschung vernachlässigten jüdischen Buchhandel, speziell zum jüdischen Kinder- und Jugendbuchverlag von Annegret Völpel (S. 110–111). Die Autorin belegt die schwierigen Bedingungen jüdischer Buchhändler, die sich als Verleger von Minderheitenliteratur einem gemischten Programm widmen mussten, um die wirtschaftlichen Risiken ausgleichen zu können. Konkretisiert wird dies anhand der Verlage I. Kauffmann in Frankfurt am Main und Jakob B. Brandeis in Prag und Breslau.
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Spezifische Kinder- und Jugendbuchverlage waren im Kaiserreich eher selten, stellvertretend für diese rare Spezies werden K. Thienemanns Verlag und W. Effenberger / F. Loewes Verlag in Stuttgart vorgestellt (S. 111–114). Beispiele für Verlage, die dieses Segment nur nebenbei pflegten, folgen. Am Beispiel der Union Deutsche Verlagsgesellschaft wird deutlich, wie auch Kinder- und Jugendbuchverlage von Zusammenschlüssen und programmbegleitenden Jugend- und Familienzeitschriften profitierten, an die sich wiederum erfolgreiche Buchreihen anschlossen. Ausführlicher wird auf die gängigen Gattungen Abenteuerroman, historische Erzählung und »Backfischroman« eingegangen.
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Die Autoren beschreiben eingängig die Spezifika von Verlag, Vertrieb, Marketing und Publikationsformen der Kinder- und Jugendbücher. Eigene Abschnitte werden der Kinder- und Jugendbuchkritik, dem sogenannten Kampf gegen »Schmutz und Schund« um 1900 sowie der Illustrationskunst gewidmet. Hans Ries problematisiert die Illustration im Kinder- und Jugendbuch kenntnisreich, unter Verwendung zahlreicher Quellen und behandelt auch Rechte und Vertragskonditionen für Illustratoren (S. 145–157).
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Im vierten Kapitel stellen Monika Estermann und Stephan Füssel die belletristischen Verlage vor (S. 164–299). Die Einleitung bringt einen kurzen Abriss des Aufstiegs der Belletristik in der Lesergunst und problematisiert die Vielzahl und Vielfalt der Verlage; dabei versuchen die Autoren, die markantesten auszuwählen. Die Verlage werden nach der Chronologie ihrer Entstehung in drei Gruppen eingeteilt:
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• bis 1850 gegründet und im Kaiserreich aktiv (z. B. Cotta, Reclam, Rütten & Löning, Tauchnitz, J. J. Weber, Westermann)
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• bis 1895 gegründet (z. B. Callwey, Deutsche Verlags-Anstalt, S. Fischer, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Ullstein)
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• um 1900 gegründet (z. B. Bruno und Paul Cassirer, Insel, Piper, Rowohlt).
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Diese Einteilung offenbart die topografischen Wandlungen der deutschen Verlagslandschaft speziell zwischen den konkurrierenden Zentren Leipzig, Berlin, München und Stuttgart. Gleichfalls sichtbar werden die Folgen der Generationenwechsel für die Verlagsführung, der Wandel des Zeitgeschmacks und der Einfluss historischer Ereignisse auf die Literatur.
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Die Rolle literarischer Werke insbesondere der Klassiker für die Nationalstaatsgründung wird am Klassikerjahr 1867 und dem Verlag Reclam verdeutlicht und durch den Exkurs zu Bernhard Tauchnitz bereichert. Tauchnitz war eine Art Vorläufer Reclams mit fast identischem Konzept für englischsprachige Literatur und ähnlich erfolgreich. Anregend wird die Problematik der Schiller- und Goetheausgaben bei Cotta diskutiert und die eng damit verbundenen Verlagsgeschicke. Am Beispiel des jüdischen Verlegers Wilhelm Hertz in Berlin beschreiben die Autoren, wie ein gemischtes Programm mit Belletristik funktionierte und gehen dabei detaillierter auf dessen Erfolgsautoren Paul Heyse, Theodor Fontane und Gottfried Keller ein.
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Neue Verwertungsformen wie der Vorabdruck in Periodika und sich wandelnde Autor-Verleger-Beziehungen kennzeichnen die belletristischen Verlage Ende des 19. Jahrhunderts. Monogame Verbindungen waren nicht nur zunehmend unüblich, sondern teilweise sogar gefürchtet. Im Kaiserreich bildete sich ein moderner Massenmarkt heraus, auf dem Verleger als literarische Agenten auftraten, Verlage mit Markenprofilen und Reklame ihre Käufer ansprachen. Neue anspruchsvolle Literaturverleger wie Samuel Fischer oder Albert Langen versuchten dagegen zu halten, mussten aber die ökonomische Realität berücksichtigen. Ein Exkurs widmet sich speziell den Lektoren, von deren Sachverstand und Geschick der Erfolg eines jungen Verlags wesentlich abhing und die dessen Antlitz teilweise stärker prägten als die Autoren.
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Daneben stellen die Massenproduktion von Literatur sowie die Demokratisierung des Lesens durch billige Reihen weitere Phänomene dieser Zeit dar und verweisen wie schon die Mehrfachverwertung von Texten auf die Schnittstellen zwischen Buch, Zeitschrift und Illustrierter.
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Einen Exkurs über Druckkostenzuschüsse würde man eher im Kapitel zu den wissenschaftlichen Verlagen erwarten, aber auch belletristische Verleger wie Edgar Pierson in Dresden arbeiteten mit Zuschüssen vom Autor, die ihnen in jedem Fall die Kostendeckung sicherten und manchmal sogar mehr.
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Der große Bruch kam, wie für den gesamten Buchhandel, mit dem Ersten Weltkrieg: die Titelproduktion ging stark zurück, einige Verlage stellten sofort auf Kriegsliteratur um, pazifistische Schriften konnten erst gegen Kriegsende wieder erscheinen. Besondere Schwierigkeiten waren ausländischer Literatur beschieden, die als »Feindliteratur« galt. Erschwerte Papierversorgung, steigende Preise aufgrund verdeckter Inflation und steigende Herstellungskosten führten zur Einführung eines Teuerungszuschlags. Materialknappheit zog eine einfachere Buchausstattung nach sich. Nur Kriegsliteratur und -lieder verkauften sich bis in die 1920er Jahre sehr gut.
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Das Kapitel ist mit 136 Seiten zwar recht ausladend, aber die großzügigen zeitlichen Rückgriffe bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts tragen zum Verständnis des Gegenstandes einiges bei.
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Der große Block zu den Programmbereichen, der im ersten Teilband begonnen wurde, findet seinen Abschluss in der »Statistik und Topographie des Verlagswesens« von Barbara Kastner (S. 300–367). Hierbei handelt es sich um eines der schwierigsten aber lange vermissten Kapitel zur Statistik des Buchhandels. Der erste Wermutstropfen wird leider bald verabreicht: die Autorin greift auf ältere Erhebungen aus den Hinrichs’schen Katalogen und dem Börsenblatt zurück, deren Datenmaterial problematisch ist, wie Kastner selbst eingesteht. Ab 1915 bezieht sie sich auf Umlauffs Beiträge zur Statistik des Deutschen Buchhandels. Mit großem Fleiß versucht die Autorin die Mängel auszugleichen.
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Ausführlich belegt sie für alle Fachgebiete die jährliche Titelproduktion zwischen 1871 und 1918, wobei die bekannten Tendenzen des konstanten Wachstums bis 1913 sowie der große Einbruch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Tiefpunkt 1918 zu Tage treten. Für jedes Fach ermittelt Kastner die Produktionsmengen als Anteil an der Gesamtproduktion und erstellt vergleichende Grafiken. Umfangreiche Tabellen enthalten die durchschnittliche Seitenzahl (Umfang) und die Preise der Bücher in den einzelnen Fachgebieten. Titelzahlen, Umfang und Preisniveau werden in Abhängigkeit von ihrer geografischen Verteilung untersucht und ergeben die Topografie des Verlagswesens. Die Autorin beendet ihren Beitrag mit einem kurzen internationalen Vergleich.
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Der Wert der Untersuchung liegt in der übersichtlichen Darstellung der Titelproduktion – getrennt für alle Verlagsgebiete und jedes einzelne Jahr von 1871 bis 1918 – sowie der Kombination der drei Quellen. Unverzichtbar ist die ausgezeichnete Quellenkritik zu Hinrichs Bibliographie (S. 328–331), da sie eine wichtige Voraussetzung für Verständnis und Nutzung der Daten bildet.
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3. Zeitschriften
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Das Kapitel zu den Zeitschriften (S. 368–522) stellt mit 154 Seiten das längste Kapitel der beiden bisher erschienenen Teilbände und wird von den drei Autoren wie folgt unterteilt:
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• Zeitschriftenwesen (S. 368–389)
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• wissenschaftliche und technische Zeitschriften (S. 390–408)
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• Familien- und Unterhaltungszeitschriften (S. 409–522).
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Die letzte Gruppe erfährt noch eine weitere Differenzierung in Familien-, Kinder- und Jugendzeitschriften, Vereinspublikationen, Mode-, Hausfrauenzeitschriften, Illustrierte, Witz- und Satireblätter, Roman-, Versicherungszeitschriften, Beilagen-Blätter und Feuilleton-Korrespondenzen.
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Jäger beginnt mit einer statistischen Betrachtung des Zeitschriftenmarktes im Kaiserreich, was aufgrund der Quellen- und der dürftigen Forschungslage nicht ganz einfach ist. Das starke Wachstum besonders in den Bereichen Technik, Gewerbe, Industrie, Handel, Verkehr, Sport, Spiel und Hobby zieht eine unglaubliche Expansion und Differenzierung des Zeitschriftenmarktes nach sich. Allein an der Zeitschriftenentwicklung ließe sich der Wandel vom Agrar- zum Industrie- und Handelsstaat, die Zunahme von Verkehr und Tourismus sowie der Beginn der Freizeitgesellschaft ablesen. Diese Einbindung in den sozialhistorischen Hintergrund ist von großem Nutzen für die folgenden Ausführungen zu den einzelnen Zeitschriftengenres.
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Fragen des Vertriebs, von Mindestauflagenhöhen oder der Finanzierung über Anzeigen werden genauso behandelt wie Beilagen als Kaufanreiz. Die zahlreichen hervorragenden Abbildungen erhellen die allgemeineren Ausführungen ebenso wie das Beispiel Mosse.
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Den statistischen Bemerkungen folgt eine innovative Typologie, die fünf Gruppen von Zeitschriften unterscheidet und sich dabei vor allem am finanziellen Träger und inhaltlichen Aspekten orientiert. Neben zeitgenössischen Trends, dem Fallbeispiel der von Wilhelm Ostwald herausgegebenen Zeitschrift für physikalische Chemie und den Formen fachbibliografischer Nachweise zeigt Jäger auch die Bedeutung der deutschen Forschung in deutscher Sprache bis zum Ersten Weltkrieg.
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Das recht kurze Kapitel scheint meiner Meinung nach dem Gegenstand nicht ganz gerecht zu werden. Die Zeitschriften sind insbesondere für die Naturwissenschaft das neue Vermittlungsmedium schlechthin, sie haben Einfluss auf die Differenzierung der Fächer wie auf die Reputation von Wissenschaftlern und dürften zu einer Beschleunigung der Forschung geführt haben. Noch weniger Beachtung finden die geisteswissenschaftlichen Zeitschriften, was sich wiederum auf den deprimierenden Forschungsstand zurückführen lässt. Viele Fragen wie die nach dem Zusammenspiel von Gelehrten, Fachverbänden, Verlagen und anderen Institutionen, die Vergütung und rechtliche Aspekte von Herausgeber- und Mitarbeiterschaft, die Bedeutung der Periodika in den einzelnen Fachdisziplinen usw. bleiben weiterhin unbeantwortet.
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Andreas Graf widmet sich danach umso ausführlicher den Familien- und Unterhaltungszeitschriften (S. 409–522). Analog zum ungebrochen großen Interesse an der Belletristik erfreuen und erfreuten sich auch die unterhaltenden und literarischen Zeitschriften großer Beliebtheit beim Publikum und vermehrter Forscherlust. Schließlich ist die Bedeutung der Familien- und Unterhaltungsblätter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der des Fernsehens heute vergleichbar (S. 409).
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Im Zentrum der Untersuchung stehen erfolgreiche Blätter wie Die Gartenlaube, Der Hausfreund, Ueber Land und Meer, Daheim oder Westermanns Monatshefte. Auch die Konzernbildung wird an den bekannten Größen Mosse, Ullstein, Scherl und damit am Zeitschriftenzentrum Berlin gezeigt.
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Graf berücksichtigt die sozialökonomischen Entwicklungsbedingungen, statistische Werte zur Zeitschriftenexpansion ebenso wie Zensur, Stempelsteuer und Postzwang. Die wichtigsten Vertriebswege (Post, Abonnement, Kolportage, Einzel- und Straßenverkauf) werden vor allem hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Erfolg neuer Formate differenziert erklärt.
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Religiöse Familienblätter, der Vorabdruck von Romanen und Erzählungen und der Wandel der Moralvorstellungen schließen das Thema ab.
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Die »Kinder- und Jugendzeitschriften« werden von Susanne Pellatz vorgestellt (S. 447–460). Man könnte erwarten, dass sich in diesem Abschnitt viele Überschneidungen mit dem Kapitel zur Kinder- und Jugendliteratur ergeben, doch dem ist nicht so. Die Autorin beweist, dass Zeitschriften für Kinder und Jugendliche ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und Bedingungen unterlagen und es sich hierbei um einen völlig eigenständigen Forschungsbereich handelt.
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Häufig sprachen spezielle Beilagen zu Familienzeitschriften Kinder und Jugendliche an, aber auch eigenständige weltliche und religiöse Zeitschriften boten die allgemein übliche Mischung aus Unterhaltung, Erziehung und Bildung. Struktur und Inhalt orientierten sich stark an Blättern für Erwachsene.
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Für Titelzahlen, Auflagenhöhen usw. existiert wenig verlässliches statistisches Material. Die meisten Titel erschienen in Verlagen mit guten Autoren und Illustratoren aber eher kleinen Auflagen und waren oft nicht so langlebig wie die Erwachsenenblätter. Ungefähr ein Drittel der Zeitschriften wurde von pädagogischen und religiösen Vereinen herausgegeben, die mit niedrigen Preisen und sehr hohen Auflagen erfolgreich waren.
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Anschließend werden die Hausfrauen- und Modezeitschriften wiederum von Andreas Graf dargestellt (S. 460–515). Zunehmend wurde im Kaiserreich die Frau als Konsumentin entdeckt, der man vor allem billige Ratgeber und Unterhaltung anbot. Wichtig für den Erfolg und die Leserbindung zum Beispiel Der Hausfrau waren die Leserbriefkästen, die nicht nur dem Austausch mit der Redaktion sondern auch dem der Leserinnen untereinander dienten.
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Die wachsende Bedeutung der Bilder und Fotos, die durch kostengünstigere Reproduktionstechniken begünstigt wurde, führte mit zur Entwicklung der Illustrierten. Letztere waren aktueller als die Familienblätter und stärker an der Tageszeitung orientiert. Durch Straßen-, Einzelverkauf und Annoncenwesen erreichte man neue Publikumsschichten und steigende Auflagen.
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Am erfolgreichsten zeigte sich die Berliner Illustrirte Zeitung bei Ullstein, die mit einem sehr niedrigen Preis für ein breites Massenpublikum konzipiert war.
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Breiten Raum nehmen die vielgestaltigen, innovativen Witz- und Satireblätter ein. Die erfolgreichsten und heute noch bekannten werden porträtiert: Kladderadatsch, Fliegende Blätter, Meggendorfer Blätter, Simplicissimus, Ulk und Jugend. Die zahlreichen Zeitschriftenneugründungen im Kaiserreich konzentrieren sich auf die Zentren München, Berlin und Wien. Mit dem Kriegsausbruch 1914 stellten die meisten Blätter ihre staatskritische Haltung auch aufgrund der strengen Zensur ein.
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Das Kapitel endet mit Ausführungen zu den beliebten Romanzeitschriften und Versicherungszeitschriften, bei der die Abonnenten über eine Lebens-, Unfall- oder Sterbeversicherung an das jeweilige Blatt gebunden wurden sowie den Beilagen-Blättern, die ebenfalls der Leserbindung dienten. Weitestgehend unbekannt dürften die Feuilleton-Korrespondenzen sein, die nicht für ein breites Publikum bestimmt waren, sondern Unterhaltungsmaterial für Redakteure, Herausgeber und Verleger bereitstellten. Sie lieferten ähnlich den heutigen Nachrichtenagenturen fertig druckbare Texte, die als Manuskript galten.
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4. Moderne Vertriebswege
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Das Kapitel zu den neuen Vertriebswegen gliedert sich in drei Teile:
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• Kolportage-, Reise- und Versandbuchhandel (S. 523–593)
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• Bahnhofs- und Verkehrsbuchhandel (S. 594–620)
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• Kaufhausbuchhandel (S. 621–640).
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Damit kommen nun Themen in den Fokus, die von der Buchwissenschaft erst spät entdeckt wurden und das zum Beispiel im Fall der Kolportage eher durch sozialhistorische Arbeiten wie die von Rudolf Schenda oder Rolf Engelsing. Schließlich dienten diese neuen Vertriebsformen weniger der Blüte der deutschen Hochkultur als vielmehr dem, was das ›gemeine Volk‹ las. Hier wird sozusagen dem Volk ins Buch geschaut beziehungsweise nachgefragt, wie das Volk zu seinem Lesestoff kam. Daß dies ein lohnendes und spannendes Unterfangen sein kann, beweisen die drei Autoren scheinbar mühelos.
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Alle Vertriebsformen differenzierten sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland; England und Frankreich waren häufig die Vorreiter. Die entsprechenden Firmen oder Berufsvertreter gehörten meist (noch) nicht dem Börsenverein an, machten aber den stationären Buchhändlern große Konkurrenz. Sie besaßen (zumindest im traditionellen Buchhandel) ein überwiegend negatives Image, so dass die Quellen von Vorurteilen und Stereotypen beherrscht sind oder die Überlieferung überhaupt mangelhaft ist. Daraus ein objektives Bild zu rekonstruieren, dürfte nicht leicht gewesen sein, ist den Autoren jedoch vorbildlich gelungen.
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Mirjam Storim zeigt die Entwicklung der drei Vertriebswege Kolportage-, Reise- und Versandbuchhandel, die häufig mit anderen Geschäften wie Papier-, Schreibwaren-, Eisenbahnhandel, Buchbinderei oder Sortiment vermischt betrieben wurden. Von der Forschung weitestgehend unbeachtet ist das anschaulich dargestellte Phänomen der Abonnenten-Versicherung als aus heutiger Sicht ungewöhnliches Mittel zur Leserbindung.
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Während die Kolporteure vor allem die unteren Schichten in ländlichen Gebieten mit billigen Heftchen versorgten, bemühten sich die Reisenden um höhere und mittlere Schichten, denen sie teure Verlagsobjekte wie mehrbändige Lexika gegen Ratenzahlung anboten. Um 1900 ging die Zahl der Reisenden zurück und mit dem massenhaften Aufkommen von Prospekten und Anzeigenwerbung vollzog sich der Wandel zum Versandbuchhandel.
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Vergleichend arbeitet die Autorin die Gewohnheiten und Besonderheiten der drei Vertriebswege heraus und geht dabei auf Zahlungsverkehr, Provisionen, Werbestrategien, fehlende Ausbildung, Fachvereine sowie die bekannte »Schmutz und Schund Debatte« ein.
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Den Bahnhofs- und Verkehrsbuchhandel erläutert Christine Haug. Mit dem Zugverkehr als allgemeinem Transportmittel entstand der Bedarf nach spezieller Reiseliteratur: kleinformatig, preiswert, große Auswahl an Unterhaltung und Sachbüchern, lesefreundliches Schriftbild. Die begehrten Rechte für Bahnhofsbuchhandlungen wurden meistbietend versteigert, was zur Herausbildung von Großunternehmen beitrug. Um besondere Ladenöffnungszeiten und vorteilhaftere Verlegerrabatte gab es heftige Auseinandersetzungen mit den Sortimentern, die sich von der neuen Konkurrenz bedroht fühlten.
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Besonders lobenswert ist der Vergleich mit den englischen und französischen Verhältnissen, der auch andere Kapitel bereichert hätte. Doch bei solch umfangreichen Handbüchern müssen natürlich Grenzen gezogen werden, die in diesem Fall eben beim deutschen Buchhandel liegen.
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Stellvertretend werden führende Bahnhofsbuchhandlungen wie Bangel & Schmitt, August Vaternahm und Georg Stilke vorgestellt. Daneben beschäftigt sich die Autorin mit der regional unterschiedlich gehandhabten Zensur, streift verwandte Formen wie Bäder-, Hotel-, Schiffsbuchhandel, Kioske und Reclams Bücherautomaten. Selbst die praktisch unerforschten Reiseleihbibliotheken und die Umwandlung der Bahnhofsbuchhandlungen in Feldbüchereien während des Ersten Weltkriegs werden berücksichtigt.
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Mit dem Kaufhausbuchhandel setzt sich Georg Jäger auseinander. Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts Bücher ins Sortiment nehmenden Warenhäuser waren dem traditionellen Buchhandel ein Dorn im Auge. Mit dem Verkauf billiger Massenware (Geschenk- und Brotartikel), Büchern ohne festen Ladenpreis, besonderen Verlegerrabatten aufgrund des hohen Absatzes und der Verramschung im modernen Antiquariat boten sie mehrfach Anlass für juristische Auseinandersetzungen mit dem Börsenverein. Die Kaufhäuser blieben jedoch überlegen und auf Dauer musste sich der gesamte Einzel(buch)handel den Modernisierungen anpassen. Buch- und Musikalienabteilungen gehörten im Kaufhaus zu den rentabelsten Geschäftsbereichen, obwohl der übliche Sortimenterservice wie Ansichtssendungen oder Bestellungen nicht angeboten wurde. Stattdessen gab es Sonderangebote, Büchertage und Selbstbedienung.
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5. Zwischenbuchhandel
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Im Kapitel zum Zwischenbuchhandel wird erneut eine Dreiteilung vorgenommen:
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• Kommissionsbuchhandel (S. 641–667)
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• Grossobuchhandel (S. 668–678)
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• Barsortiment (S. 679–699).
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Einleitend werden jeweils Begriff, Funktion und Besonderheiten erläutert. Es folgen kurze Darstellungen einzelner Firmen und ihrer Produkte bzw. Dienstleistungen. Anschließend werden die jeweiligen Interessenverbände, ihre Entstehung und etwaige Publikationen vorgestellt. Alle Bereiche des Zwischenbuchhandels sind besonders stark und frühzeitig in ihrer Entstehung von Konzentrationsprozessen und Fusionen begleitet, die entsprechenden Raum einnehmen. Dabei begegnet dem Leser immer wieder der Name des wichtigsten Kommissionsgeschäfts und Barsortiments: Koehler und Volckmar in Leipzig.
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Zuerst betrachten Georg Jäger und Thomas Keiderling den Kommissionsbuchhandel. Begriff und Arbeitsweise werden verständlich, kurz und prägnant erklärt unter Verwendung zeitgenössischer Zitate, die tatsächlich der Erhellung des Gegenstandes dienen. Neben ihrem eigentlichen Geschäft mit dem Lagern, Bestellen und Ausliefern von Büchern in Form eines Vermittlers zwischen Verlag und Sortiment, hatten die Kommissionäre auch finanzielle Funktionen, indem sie anstelle von Banken Kredite gewährten. Beim Thema Streiks werden hier erstmals sozioökonomische Aspekte für das buchhändlerische Personal gestreift.
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Grossobuchhandel und Barsortiment werden vom Herausgeber Georg Jäger bearbeitet. In diesem recht knappen Abschnitt kann das vom Autor erwähnte diffuse Erscheinungsbild des Grossobuchhandels, der sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich herausbildete, leider auch nur teilweise aufgeklärt werden. Dies liegt nicht zuletzt an der völlig unzureichenden Forschung, wie sie sich in der sehr kurzen Literaturliste mit nur zwei neueren Titeln (!) spiegelt. Damit wirft das Kapitel mehr Fragen auf, als es Antworten geben kann.
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Jäger bemüht sich, den Grossisten in Abgrenzung zum Kommissionär und Barsortimenter zu definieren. Doch selbst die Zeitgenossen hatten größte Mühe mit dem Phänomen, das vorwiegend der Belieferung von Auch-Buchhändlern diente, damit dem Sortiment schwer Konkurrenz machte, aber nicht dem Börsenverein angehörte.
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Das Barsortiment entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Kommissionsbuchhandel und verdankt seinen Namen dem Barverkehr (Bücher gegen Bargeld). Mit preiswerten, maschinellen Bucheinbänden, schneller Lieferung zum Verlegerpreis, Remissionsrecht und umfangreichen Katalogen brachte es vor allem für Sortimenter und Endkäufer viele Vorteile. Die Verleger lehnten das Barsortiment eher ab, da sie die entstehenden Kosten tragen mussten, Kontrolle, Information und Steuerung aber verloren gingen.
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Die Geschichte der Häuser Koehler und Volckmar in Leipzig als den beiden Großkommissionären und Großbarsortimentern veranschaulicht die Gegebenheiten im Kaiserreich. Nach jahrzehntelanger ruinöser Konkurrenz, kooperierten sie ab 1910 und fusionierten später.
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In allen drei Kapiteln zum Zwischenbuchhandel wiederholt sich ein Problem früherer buchhandelsgeschichtlicher Publikationen: Es handelt sich um schwierig darzustellende Buchhandelszweige, für die grundlegende wissenschaftliche Untersuchungen ausstehen. Eine Ursache liegt in der ungünstigen Quellenlage, da Firmenarchive oft nicht überliefert wurden und große Jubiläumsschriften wie bei angesehenen Verlagen meist fehlen. Die Autoren haben das Beste daraus gemacht.
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6. Zusammenfassende Bewertung
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Der Intention, ein allgemeines buchhandelsgeschichtliches Nachschlagewerk für ein größeres Publikum zu schaffen, sind der Herausgeber und die Autoren gerecht geworden. Der aktuelle Wissensstand wird zuverlässig referiert und die regelmäßig erwähnten Forschungslücken verleihen der Buchwissenschaft hoffentlich entsprechende Impulse. So sind beispielsweise zum jüdischen Buchhandel, den wissenschaftlichen Zeitschriften oder dem Zwischenbuchhandel noch viele Fragen offen. Wenig erforscht zeigt sich auch der Buchhandel im Ersten Weltkrieg.
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Anregend und hilfreich dürften die stets umfangreichen Literaturangaben sein, die dem Interessierten vielfältige Einstiegsmöglichkeiten in Spezialgebiete eröffnen. Stellvertretend genannt sei die umfangreiche Bibliografie von Miriam Storim, vor allem zu den vergessenen Kolportage-Fachzeitschriften, die jedem Freude machen dürfte, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte oder muss (S. 587–593).
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Die zahlreichen Abbildungen, Tabellen und Grafiken sind ein großes Plus des Bandes, wenngleich ihre Verteilung und Qualität schwankt. So werden der Musikalienhandel, die Kinder- und Jugendbücher, die Belletristik, die Vertriebswege und der Zwischenbuchhandel ausgezeichnet illustriert. Hingegen fand die Autorin der Kinder- und Jugendzeitschriften Susanne Pellatz gar keine Abbildungen und auch Andreas Graf tut sich gerade in den Abschnitten zu Illustrationen, Technik und Bilderhandel damit recht schwer.
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Ein wenig unausgewogen ist die Gewichtung der Kapitel. Während die Programmbereiche – insbesondere die Belletristik – sowie die Familien- und Unterhaltungszeitschriften breiten Raum einnehmen, müssen die Vertriebswege und der Zwischenbuchhandel mit wenig Platz auskommen. Gerade mit Blick auf diese unzureichend erforschten Segmente wiederholt sich ein Problem des ersten Teilbandes, nämlich der überwiegende Rückgriff auf Firmenschriften, die meist anlässlich größerer Jubiläen entstanden sind und nur schwerlich als unabhängige objektive Forschung betrachtet werden können. Es entspricht zwar dem Konzept, keine Originalquellen zu verwenden. Ries, Jäger und Keiderling zeigen jedoch, dass bei gering beachteten Themen wie den Kinderbuchillustrationen oder dem Kommissionsbuchhandel die Nutzung einschlägiger Archivalien überhaupt erst eine sinnvolle Darstellung ermöglicht, ohne den Charakter des allgemeinen Nachschlagewerks zu verletzen.
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Problematisch dürfte der gestiegene Preis sein (von 98, 00 DM auf 128, 00 Euro), insbesondere wenn man auch Studenten als Käufer anvisiert hat. Zumal aufgrund der Gliederung und des Registers, das erst im dritten Teilband erscheinen wird, eigentlich alle drei Bände erworben werden müssen.
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Die Qualität der Ausführungen differiert zwar zwischen den Kapiteln und Autoren, kommt aber häufig den verschiedenen Themen zugute. Die verschiedenen Autoren, die Vernachlässigung eines einheitlichen Stils und einer festen Gliederung im Kapitel Kinder- und Jugendbuch, entsprechen dem Charakter des Programmbereichs und dienen einer größeren Lebendigkeit. Die Belletristik hingegen profitiert von dem homogenen Stil der Autoren und dem analytisch durchdachten Wechsel zwischen Allgemeinplätzen und Einzelfällen. Die Vertriebswege wiederum werden von Storim, Haug und Jäger mit Esprit und einem angemessenen Tempo vorgestellt.
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Das Fehlen einer vergleichbar umfassenden, deutschen Buchhandelsgeschichte und die insgesamt qualitativ hochwertige Umsetzung machen die Fortführung des gesamten Projekts bis zur Gegenwart dringend notwendig und mehr als wünschenswert.
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