Carola Groppe
Das Projekt
einer ästhetisch-heroischen Lebensform.
Die Gruppenbildung des George-Kreises
Rainer Kolk: Literarische Gruppenbildung. Am Beispiel des George-Kreises 1890-1945. (Communicatio 17) Tübingen: Max Niemeyer 1998. 685 S. Br. DM 192,-.
Rainer Kolk hat sich in seiner 1996 als Habilitationsschrift an der Universität Köln eingereichten Studie über den George-Kreis ein großes Projekt vorgenommen. Er behandelt unter der Vorgabe einer exemplarischen Ermittlung der Genese literarischer Gruppenbildung drei Epochen der deutschen Literatur- und Wissenschaftsgeschichte: Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus, oder aus einer soziologisch-philosophischen Perspektive formuliert die Epoche der klassischen literarischen Moderne bzw. die Epoche der ausdifferenzierten natur- und geisteswissenschaftlichen Forschung, sowie die Epoche der Beseitigung der bis dahin erreichten Entwicklungen und Differenzierungen.
Eine Studie über den George-Kreis kann in diesen Zusammenhängen einen Sinn haben, wenn sie am historischen Beispiel Wechselbeziehungen und Austauschverhältnisse zwischen Literatur, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zu verdeutlichen vermag. [...] [Es] soll geprüft werden, unter welchen historischen, literatur- und wissenschaftsgeschichtlichen Bedingungen solche Versuche Konjunktur haben können, auf welche Fragen sie Antworten formulieren, welche Organisationsformen sie voraussetzen und nutzen, wie sie zu den gegebenen gesellschaftlichen Institutionen stehen (S. X).
Die Arbeit versteht sich dezidiert als interdisziplinäre Studie. Rainer Kolk begibt sich bewußt auf ein Gebiet, das innerhalb der Germanistik seit den 80er Jahren mehr und mehr zu einem Randphänomen zu werden droht: die Literatursoziologie.
Ihm geht es weniger um Werkinterpretation als um Analyse eines kulturhistorischen Phänomens mit Hilfe der Instrumentarien der Germanistik und der umliegenden kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen: der Soziologie, der historischen Bildungsforschung, der Sozial- und Kulturgeschichte, im besonderen unter Beanspruchung der Analysemodelle von Bourdieu und Luhmann, der Theorie des intellektuellen Feldes und der Systemtheorie (vgl. S. 5 ff.) Die vorliegende Studie erhält dadurch zugleich den Stellenwert einer Analyse der Mechanismen und Funktionsweisen zweier gesellschaftlicher Subsysteme, Literatur und Wissenschaft, die für sich jeweils Deutungskompetenz für gesellschaftliche Entwicklungen beanspruchen.
Kolks Studie stellt vor diesem Hintergrund drei zentrale Fragen:
- Wer und was war der George-Kreis? Welche internen Strukturen, Widersprüche und Strategien zeichnen ihn aus?
- Welche Zielvisionen werden im Kreis formuliert? Welche Referenzbeziehungen bestehen zu seinem Umfeld? Welche Umsetzungen von Zielvisionen lassen sich mit welchen Strategien beobachten?
- Welcher Erfolg oder Mißerfolg war dem Kreis gemessen an seinen eigenen Wirkungsvorstellungen sowie an den rezeptionsgeschichtlichen Erkenntnissen beschieden und wie fügt sich dies in die Entwicklungsgeschichte zweier gesellschaftlicher Subsysteme?
Kolk stellt seine Analyse des George-Kreises unter eine Grundannahme: Im Kontext der eingangs genannten Felder gehe es im George-Kreis "um das Projekt einer ästhetisch-heroischen Lebensform" (S. 9) in einer Gesellschaft, so möchte man ergänzen, die ein solches Projekt nach Max Webers These von der "Entzauberung der Welt" in der entwickelten Industriegesellschaft eigentlich als Anachronismus hätte verurteilen müssen, aber in Deutschland auf den verspäteten und dann umso rascher erfolgenden Modernisierungsprozeß in spezifischer Weise reagierte.
Lebensstil:
Neukonstituierung individueller Existenz
Kolk geht davon aus, daß sein interdisziplinärer Ansatz dem Gegenstand eingeschrieben ist: der George-Kreis, so seine These, ist mehr als eine Dichtergruppierung, er ist auch Wissenschaftlervereinigung und Lebensreformgemeinschaft; er ist eine Gruppierung, die sich durch einen weitgehend einheitlich gestalteten Lebensstil von ihrer Umwelt strategisch abhob. Dieser Lebensstil ist wiederum vor dem Hintergrund einer um 1900 einsetzenden "Krise des Verstehens", als Zeichen einer umfassenden "kulturellen Krise" in der Gesellschaft zu deuten, der der George-Kreis seine Ambitionen abgewinnt, indem er sich distinktiv dem Projekt einer "umfassenden Neukonstituierung individueller Existenz" widmet und diesem in seinen vielfältigen Tätigkeiten zuarbeitet (vgl. S. 9 ff.).
Kolk geht in seiner Analyse sowohl diachron als auch synchron vor. Organisatorisch ergibt sich dadurch eine zeitlich verlaufende Achse, die begleitet wird von Ausblicken, Reflexionen und Exkursen, die jeweils den vorhandenen sozialen und ideellen Raum der Kreisentwicklung und der Kreisaktionen beschreiben und soziologisch verorten.
Die Studie setzt für die George-Forschung gleichsam >klassisch< ein: mit Georges Erscheinen auf der literarischen Bühne des Kaiserreichs und der Organisation seines Podiums, der Blätter für die Kunst. Kolk beschreibt zunächst die Georges Frühwerken inhärenten Traditionslinien, die über das Prinzip des >l'art pour l'art< hinaus sich in abendländisch-bürgerliche Literaturtraditionen einschreiben. Kolk bezieht sich vor allem auf die Vorstellung des Melancholikers, in dem zugleich Einsamkeit und Selbstverwirklichung in der Kunst konfigurieren (S. 17 f.).
Ästhetizismus
als Antwort auf die Kontingenz der Lebensformen
Ästhetizismus erscheint als Haltung, die nach Adorno nicht Pose ist, sondern Ausdruck ethisch-ästhetischer Konsequenz angesichts der Kontingenz der Lebensformen in der modernen Gesellschaft. So ist >ästhetisch-heroische Haltung< bereits im Frühwerk präfiguriert, und es wird von Kolk überzeugend Einheit geschaffen da, wo die Forschung zumeist von einer ästhetizistischen Frühphase und einer seherisch-pädagogischen Spätphase in Georges Werk und Wirken spricht. "Die geläufige Zweiteilung in ein ästhetizistisches Früh- und ein pädagogisches Haupt- oder Spätwerk verdeckt [...] Kontinuitäten" (S. 157).
Kolk verbindet in der Analyse im folgenden literarische Thematisierungen mit sozialen Handlungsstrategien, deren Verbindung er unter dem Deutungskomplex "Lebensstil" beschreibt (S. 25). Zwischen monologische lyrische Struktur und sozialen Raum schiebt sich einerseits die als Gegenbild fungierende moderne Welt der Technik und der Massen, andererseits das Erlösungskonzept des Melancholikers, das aus der Selbstreferentalität des Spiegelbilds, wie es im Algabal auftritt, die Gruppe der Gleichdenkenden schafft, die zugleich Selbstreflexion im Sinne der melancholischen Innerlichkeit erhalten und Sozialität ohne Aufgabe der Dinstinktion schaffen kann. "Algabals Solipsismus eröffnet die Urszene des George-Kreises" (S. 34).
Umsetzung des Projekts
in literarisch-soziale Praxis
In der Gründung der Blätter für die Kunst wird dieses literarisch vorformulierte Projekt schließlich in literarisch-soziale Praxis umgesetzt (S. 42 ff.). Die Blätter für die Kunst erweisen sich als oppositionell, indem sie Dinstinktionen zur gegenwärtigen literarischen Praxis wiederum durch literarische Traditionen markieren, sie verbürgen damit im literarischen Feld zugleich >Wahrhaftigkeit<, setzen kulturelles Kapital zur Etablierung von Feldpositionen ein. Zugleich tarieren die Blätter für die Kunst auch auf der publikatorischen Ebene die Differenz zwischen Teilnahme am und Abgrenzung vom literarischen Feld aus, die damit wiederum die angekündigte Erneuerung der Kunst >feldstrategisch< praktiziert. Über die Ansammlung symbolischen Kapitals durch gruppenadäquate Dichtung bis hin zu stilisierter Kommunikation wird in der Dichtergruppe um die Blätter nach innen Binnenegalisierung und nach außen mentale wie strategische Geschlossenheit erzeugt (vgl. S. 60 ff.).
Kolk bedient sich hier besonders der Bourdieuschen Theorie des intellektuellen Feldes, die sich gerade in der Analyse von Gruppenstrategien als sinnvoll erweist, zumal sie sich auch in Kolks Analyse der literarischen Formen und Inhalte als tragfähig herausstellt.
Nicht ganz überzeugen kann dagegen Kolks Vergleich der frühen Blätter-Organisation, die auch zweitrangige Produktion bewußt als zur Erzeugung eines neuen >Kunstwillens< notwendig einschließt, mit der Feldorganisation der Wissenschaft (vgl. S. 64 ff.). Fortschritt durch Differenzierung und Überbietung, so möchte man das wissenschaftliche Credo formulieren, trifft auf die Strategie der Blätter für die Kunst nur bedingt zu. Eher wird dort zugunsten der Gruppe agiert, aus der auch die poetae minores ihre Legitimation beziehen und die sich gegen einen auf anderer Ebene zugleich postulierten Individualismus in der modernen Gesellschaft konturieren.
Während in der Wissenschaft zwischen Fachmann und Laie unterschieden wird, baut zwar auch die Literatur eine Dichotomie von berufenem Künstler und Dilettant / Liebhaber auf; beide unterscheiden sich aber deutlich in der Erreichbarkeit des Status. Wissenschaftler sein heißt Einüben und Aneignung von Methoden und Expertenwissen, Künstler sein ist Berufung. Der Wissenschaft fehlt gerade das Auratische, das die Blätter postulieren poinitert formuliert: sie ist das Moderne, gegen das die Kunst protestiert.
Distinktion und Differenz:
Strategien der Gruppenbildung
Kolk benennt anschließend jedoch überzeugend die Dichtergruppe der Blätter als Initialzelle der Gestaltung einer neuen Lebensform, welche in Zukunft auch die Wissenschaft einschließen wird, mithin als Gruppe, die bereits "zentrale Merkmale des George-Kreises aufweist", wie Gemeinschaft vor Individualität, Exklusivität gewonnen aus Melancholie vor Gesellschaft, Wirkungswille vor Bewertung individueller Qualität (vgl. S. 65 ff.). Unter dem Zeichen seiner leitenden Analysekategorien Distinktion und Differenz beschreibt Kolk nachfolgend "scheiternde Koalitionen" (S. 78ff.).
Hugo von Hofmannsthal, so Kolk, habe sich anderen publikationstrategischen Konzepten verschrieben als George, ein Bruch war langfristig unvermeidlich. Hofmannsthals Position erscheint als bewußte Unentschiedenheit eine andere Form, Melancholie und Dandytum zu leben. Daneben erscheint Georges Strategie als geplante Aktion. Aufmerksam verzeichnet Kolk alle Fäden, die zur Gruppenkonstituierung des George-Kreises führen: So geht z. B. Hofmannsthals erfolgversprechende Strategie der "limitierten Popularisierung" (S. 86), die George zunächst als begrenzten Verrat an der inneren Geschlossenheit der Blätter wahrnahm, in die Publikations- und Handlungsstrategie des späteren George-Kreises ein. Zugleich beschreibt Kolk am Beispiel Hofmannsthals, wie gleichgeordnet-duale Gesprächskonstellationen zum Scheitern zunächst gemeinsamer Wirkungsabsichten führten.
Der Kosmiker-Kreis dient Kolk schließlich zur Schärfung inhaltlicher Differenzen vergleichbarer Gruppierungen im literarisch-weltanschaulichen Spektrum der Jahrhundertwende, welche in der Dichotomie von Kunst als Tat (George) und Kunst als Mittel zur Tat (Kosmiker) gipfelten und den gemeinsamen Feind >Moderne< in den Hintergrund treten ließen. Die "katalytische" Wirkung dieser Ereignisse um die Jahrhundertwende ist an der homogeneren Zusammensetzung des George-Kreises sowie an der Etablierung hierarchieorientierter Diskursformen ablesbar (S. 94). Die Beweggründe beider Gegner gehen jedoch, so trägt Kolk überzeugend vor, einerseits in das Prinzip der "halboffenen Tür", wie Borchardt formuliert, der strategisch plazierten Publikationen und Besprechungen Georges vor der Jahrhundertwende ein.
Andererseits wird die Überzeugung der Kosmiker, Kunst müsse Mittel zur Neuordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse sein, von George in mediatisierter Form übernommen: "dauerhafte soziale Ordnung und genuin künstlerische Produktion" sollen in Zukunft versöhnt werden (S. 94). Diesem Zweck dient auch die gezielte Herstellung einer erweiterten Öffentlichkeit ab 1898 mit im Handel erhältlichen Ausgaben von Georges Lyrik. Dem Anspruch auf einen autonomen Raum der Kunst bei gleichzeitiger Erziehung der Gleichgesinnten wird damit Rechnung getragen.
An diesem Punkt gelingt Kolk eine ausgezeichnete, differenzierte Darstellung der Traditionsstränge, Diskurskonstellationen und Wirkungsabsichten Georges, die zur Formierung des George-Kreises führten, in der auch die lyrischen Aussagen methodisch überzeugend und interpretatorisch scharfsinnig eingebunden werden (vgl. S. 101 ff.).
Gruppe
als Organisationsform
Ein soziologischer Zugriff wird bemüht, um den George-Kreis begrifflich zu fassen. Der Begriff der durch persönliche Bindungen gestifteten Gruppe, die sich als Gegenmodell zur ausdifferenzierten Gesellschaft konstituiert, wird gegenüber dem Begriff der Schule als nach einheitlichem wissenschaftlichen Instrumentarium und nach einer "wissenschaftlichen Pionierstudie" sich bildenden Formation um eine zentrale Figur bevorzugt. Darüberhinaus wird die gesellschaftliche Organisationsform >Gruppe< als komplexes Antwortmodell auf gesellschaftliche Außenanforderungen sowie individuelle Identitäts- und Sinnfragen gedeutet. Sie erscheint im Kontext sozialgeschichtlicher Fragestellungen, tritt sie doch nicht als Einzelphänomen, sondern zu bestimmten historischen Zeitpunkten als Massenphänomen auf, als Movens gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozesse.
Mit diesen theoretischen Implikationen wird die Analyse des eigentlichen George-Kreises eingeleitet, die damit in den Kontext der Entwicklung und Veränderung der Felder Literatur und Wissenschaft als Subsysteme moderner Gesellschaften gestellt wird (S. 108 ff.).
Um die Jahrhundertwende setzen die Besprechungen ein, die im Rahmen des "Resonanzraums Wissenschaft" (S. 138 ff.) zur gegenseitigen Versicherung und Verstärkung der jeweils nur unvollständig in ihren jeweiligen Feldern etablierten Akteure (George und z. B. Georg Simmel, Kurt Breysig) dienten. Sie schaffen schließlich den Rahmen für die Ausweitung des ästhetisch-heroischen Lebensform-Projekts in unterschiedliche Felder: die "Etablierung eines Gruppenzusammenhangs [...], der Resonanzen in Kunst, Wissenschaft und Politik erzeugt" (S. 155). Die literarische Etablierung der Blätter für die Kunst wird damit überzeugend als notwendige Voraussetzung der Konstituierung des George-Kreises gedeutet.
Personalistische Ethik
als Erziehungsprogramm
Wiederum in Analogie zur frühen literarischen Strategie Georges und bezogen auf die zentralen Kategorien der Gruppensoziologie beschreibt Kolk die literarisch transportierten Erweckungserlebnisse der Kreismitglieder durch die Begegnung mit George als Markierung einer Differenz zur Deutungskontingenz in der Moderne (S. 151 ff.). Dem entspricht, so Kolk, ein "Leistungsethos", das paradoxerweise dem der perhorreszierten bürgerlichen Gesellschaft analog ist (vgl. S. 247). Als Komplementärbild zum erweckten Jünger erscheint zudem der Meister als "Gesetz" (S. 159), als >Norm<.
In diesem Zusammenhang wird dann im Kreis Freiheit als freiwillige Unterwerfung unter das Gesetz interpretiert, die zugleich die >Größe< des Jüngers verbürgt. Zwischen George und seinen Anhängern entsteht damit eine hierarchische Einheit von Gesetz und Gesetzestreue, die als Differenz und Distinktion zu individueller Orientierungslosigkeit fungiert und von Kolk als "personalistische Ethik" gekennzeichnet wird (S. 161).
Diese Ethik wird, so Kolk, in ein Erziehungsprogramm umgesetzt, dessen Inhalte, den Stereotypen der Kulturkritik eng verwandt, mit Verhaltensnormierungen verbunden werden, die von literarischer Kanonbildung bis zur asketischen Disziplinierung der Kommunikations- und Lebensformen reicht (S. 162 ff.). "[...] die Gruppe um George konstituiert sich über die Imperative sozialer Disziplin" (S. 166).
An dieser Stelle ist anzumerken, daß die Ebene der Jünger, der Hauptakteure auf der öffentlichen Bühne, kaum biographisch thematisiert wird. Welche Erklärungsmomente lassen sich beispielsweise für die freiwillige Unterwerfung der Jünger unter das Gesetz Georges heranziehen, vor allem dann, wenn Kolk attestiert, "Geschichte des George-Kreises und Geschichte von Fraktionen des Bürgertums laufen nur gelegentlich parallel" (S. 175)?
Wiederum dies zieht sich als roter Faden durch Kolks Analyse wird vor allem Differenz und Distinktionswille zur Umweltgesellschaft zum konstituierenden Merkmal der Gruppe. Aus der "personalistischen Ethik" Georges und des Kreises entsteht nach Kolk auch der Übergang zur Wissenschaftskritik und der Wille zur Wissenschaftsreform, da diese Ethik die Begrenzung von Pluralität in den Deutungsfeldern der Gesellschaft voraussetzt. Wissenserweiterung wird im Kreis zum Beleg nicht mehr existierender >Ganzheit<, ihr müssen daher auf der Ebene ihrer Entstehung, dem Bildungssystem bzw. den Universitäten, Grenzen gezogen werden.
In der Beschreibung des George-Kreises als Sozialform eröffnet Kolk schließlich ein weitreichendes Interpretationsspektrum (vgl. S. 168 ff.). Von einer Deutung der charismatischen Herrschaft durch Webers Religionssoziologie reicht das Spektrum über eine Beschreibung der von den Kreismitgliedern bemühten historischen Referenzepochen als Versuche der Einschreibung in den historischen Prozeß bis zur Deutung des Maximin-Mythos als funktionales Bild der "Realisierbarkeit des neuen Menschen". Kolk widmet schließlich einen Großteil seiner Untersuchung dem wissenschaftlichen Feld, in dem die Mehrzahl der Georgeaner tätig war.
"Lebensform der Wissenschaftler"
als Sozialisationsinstanz
Die Wissenschaft, so Kolk, wird "Organon der >neuen Bildung< des Menschen" (S. 187). In einer facettenreichen Entfaltung der "Lebensform der Wissenschaftler" gelingt es der Studie, Feindbildkonstruktionen des George-Kreises gegenüber der Wissenschaft durch einen Vergleich ihrer Sozialisationsformen mit denen in wissenschaftlich-philologischer Arbeit herauszupräparieren und dabei überraschende Parallelitäten zu Tage zu fördern.
Trotz entscheidender Unterschiede in der Formulierung der Arbeitsmethoden und -ziele Kongenialität und Präsentation "ontologischer Wahrheit" gegenüber objektivierbarer Sachlogik und intersubjektivem Erkenntnisfortschritt entstehen Persönlichkeitskonzepte, die sich ähnlicher sind als die Beteiligten wahrhaben wollen oder konnten (vgl. S. 195 ff.): In beiden Fällen sind sie geprägt von Dienst an der Sache, Disziplin, Redlichkeit und Persönlichkeitsformung durch strenge Arbeitsaskese.
Konsequent führt Kolk diese Beobachtung weiter zu einer Beschreibung der "Bildung der Lebensform" im George-Kreis, die weltanschaulich fundierte Erziehungsprinzipien mit wissenschaftlichen Sozialisationsformen zu ganzheitlichen Lebensentwürfen verbindet. Daß die Einschätzung, die Sozialisationsinstanz Wissenschaft leiste vor allem Sozialdisziplinierung, dabei m. E. etwas zu pointiert ausfällt, mindert den Wert der Darstellung nicht.
Kommunikationsformen
und Strukturen des Kreises
Kolks Binnenansichten des George-Kreises erweisen ihre Qualität in der für den Leser übersichtlich geordneten und sachlogisch erarbeiteten Analyse der Kommunikationsformen und -instanzen des Kreises, z. B. wenn Kolk die Bedeutung des lauten Lesens, der Mündlichkeit, die der Kreispädagogik verpflichteten Schreibformen und die Strategien hierarchisch ausgerichteter Binnendifferenzierung bespricht, die zur Sozialität der Gruppenmitglieder führen. Besonders überzeugt der Aufweis der Visibilisierung der pädagogischen Ziele des Kreises in der Lyrik Georges, der diese jedoch nicht auf ihr Wirkungspostulat reduziert (vgl. S. 225 ff.). Diskurskontexte der Lyrik werden ebenso deutlich wie die Interaktionsformen zwischen lyrischem Sprechen und sozialer Formierung, die am Maximin-Komplex präsentiert werden, der als "Text der Nähe" auftritt, welcher >Vorbilder< (Gundolf) schafft, die in Lebenspraxis zu überführen der Kreis postuliert. Die Vorrede zum Maximin-Gedenkbuch wird Modell des wissenschaftlichen Schreibens wie der Persönlichkeitsformung (vgl. S. 277 ff.).
Ebenso gelungen ist die Darstellung und Klärung der häufig diffusen inneren Strukturen und äußeren Grenzen der sozialen Formation >George-Kreis<, dessen Personalpolitik und interner Aufgabenverteilung, sowie eine Umrißzeichnung des Personenbestandes des Kreises zu unterschiedlichen Zeitpunkten (vgl. S. 174, S. 255 f.). Überzeugend gestaltet Kolk die Darstellung der >Haltung< des Kreises zur Außenwelt, die sich nicht in weltflüchtigem Ethos niederschlägt, sondern "sich innerweltlich und alltäglich zu bewähren sucht" (S. 241) und ihre Überzeugungen aus der >heroischen Haltung< gewinnt, die sich in >Herrschaft und Dienst< konkretisiert. Beides bringt den Kreis, so Kolk, in die Nähe zu zentralen Theoremen des Konservatismus und revolutionären Nationalismus (vgl. S. 242).
Wiederholt zeigt Kolk scharfsinnig, daß Distinktionsstrategien, wie sie der George-Kreis entwickelt, nur erfolgreich sein können, indem sie mit der Logik der Felder kommunizieren und in ihnen agieren, sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft oder dem des persönlichen (>bürgerlichen<) Ethos. Distinktion bedarf nicht nur der Differenz, sondern auch der Ähnlichkeit, damit Kommunikation über sie stattfinden und dadurch Wirkung erreicht werden kann (vgl. S. 248 ff.).
Gleiches gilt für die Strategien der Selbstdarstellung, die Kolk präsentiert, die mit literarischen und wissenschaftlichen Traditionsbeständen ebenso arbeiten wie sie Grenzen zu anderen Positionen im Feld markieren. Dies beschreibt Kolk an den Jahrbüchern für die geistige Bewegung, deren literarisch-wissenschaftliche Interaktionsfelder und Kampffronten in ihren Konsequenzen für die inhaltliche Konturierung der Jahrbuchprojekte herausgearbeitet werden (vgl. S. 296 ff.). Hier wird die feldtheoretische Annahme des Interagierens von Positionen zur tragfähigen Beweisführung des Entstehens von weltanschaulichen Überzeugungen.
Diskursivierung der Kulturkritik
im Medium der Wissenschaft
Kolk stellt die wissenschaftliche Arbeit der Kreismitglieder schließlich in das Diskursfeld um Methoden und Ziele der Germanistik seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der Prozeß der "Philologisierung" und ihrer inner- und außerwissenschaftlichen Akzeptanz wurde unterbrochen, das vorher Positive nun als "Sammelwut" und "Handwerklichkeit" verworfen (S. 315). Kolk erklärt dies als einsetzenden Reflexionsprozeß in einer Wissenschaft, die sich durch rasante Differenzierungsprozesse und massive studentische Zuwachsraten auszeichnete. Die sich konturierende Geistesgeschichte, der Kolk die Werke des George-Kreises zurechnet, kann zwar nicht die Hegemonie innerhalb des Feldes >Germanistik< erreichen, aber sie wird zu einer in ihr akzeptierten Forschungsposition.
Der reflexive Ansatz stellt [...] eine Reaktion auf die erfolgte Verwissenschaftlichung des Fachs dar und entfaltet integrative Funktion (S. 328).
Sorgfältig zeichnet Kolk die Entwicklung des innerwissenschaftlichen Diskurses über Wissenschaftlichkeit und die mit ihr verbundenen Persönlichkeitsmuster im Verlauf des 19. Jahrhunderts nach, um die sich radikalisierende Diskussion im beginnenden 20. Jahrhundert um den generellen Wert der Wissenschaft schließlich mit der Kulturkritik und ihren Theoremen Antiintellektualismus, Wert- und Ganzheitssuche, Führeridee zu verbinden (vgl. S. 323 ff.).
Diese Diskursivierung der Kulturkritik im Medium der Wissenschaft führt zu spezifischen Setzungen, die der bis dahin gültigen wissenschaftlichen Ethik und Zielformulierung entgegengestellt werden, ohne daß, wie Kolk darlegt, die Grenzen immer so deutlich waren, wie die Protagonisten der Geistesgeschichte suggerierten (vgl. S. 340). Über >Auslese des Wesentlichen<, >sittliche Wirkung<, >Besinnung< und neue >Gesinnung< soll ein neuer Wertekosmos konstitutiert werden, der von außen an die Wissenschaft herangetragen wird, ihr damit als "Fundamentalkritik" (S. 338) Eigengesetzlichkeit abspricht.
Dies illustriert auch die von Kolk ausgemachte Differenz zwischen der Geistesgeschichte und den ihr vorausgehenden germanistischen Interpretationsweisen: "subjektive Beleuchtung und Deutung" wird gegen "möglichst getreue Wiedergabe der Autor-Intention" gesetzt (S. 335). Beide Seiten jedoch, dies wird auch in den folgenden Kapiteln deutlich, reklamieren für sich einen Bildungsanspruch; über Wissenserwerb hinaus sollen Persönlichkeiten geformt werden. Kolk wird hier dem Changieren von Diskurselementen, weltanschaulichen Theoremen und Wirkungsabsichten gerecht, die häufig genug den propagierten Feindeslinien zuwiderlaufen, und liefert damit einen überzeugenden Beweis für die Eigenlogik von Feldern sowie für die Bedeutung von Traditionsbeständen in >Feldgedächtnissen<, auf die sich gerade auch der beziehen muß, der sich von ihnen lösen will.
Dies gelingt auch in den folgenden Kapiteln, die unter Bezug auf historische Vorläufer (Nietzsche-Wilamowitz-Streit) die Aktionen des George-Kreises im wissenschaftlichen Feld als Versuch einer esoterisch-geistesgeschichtlichen Neufundierung der Wissenschaft beschreiben. Hier werden die Strategien des Kreises präsentiert, die subtil mit dem Anspruch der etablierten Fachvertreter auf Persönlichkeitsbildung spielen und zugleich deren Forschungsergebnisse in den Bereich akribischer Einzelbefunde verweisen. Diesem Befund werden die Bildungspotentiale der Kunst und einer sich an ihr orientierenden >scienza nuova< gegenübergestellt, die zugleich analog der Hochkunst Exklusivität verlangen. Parallel wird so Kolk die >scienza nuova< im Duktus des Fortschrittsdenkens der Wissenschaft präsentiert, die sich über die Ergebnisse ihrer Vorgänger erhebt (S. 365 ff.), aber in der Betonung des Auratischen auch gefährlich in die Nähe des Verstummens gerät:
Letzte Konsequenz wäre der Verzicht auf Publikation der in individueller Annäherung an die >Seher< und >Täter< ermittelten Einsichten [...] (S. 377).
Nicht vollständig überzeugen kann dagegen Kolks These, das wissenschaftliche Engagement des Kreises wolle hauptsächlich die "eigene Programmatik am Beispiel der gesellschaftlich nobilitierten Wissenschaft konturieren" (S. 363). Hier scheinen trotz Kolks Verbindung der >scienza nuova< mit den Bestrebungen der Geistesgeschichte die Beweggründe noch nicht umfassend genug beleuchtet, während auf der inhaltlichen Ebene Verfahrensweisen und Leitkategorien der wissenschaftlichen Arbeit der Georgeaner wie z. B. das Gestalt-Konzept differenziert ausgebreitet werden (vgl. S. 375 ff.).
Reaktion der Wissenschaftler
auf die >scienza nuova<
Kontrapunktisch werden die Reaktionen der zeitgenössischen Wissenschaftler auf die >scienza nuova< thematisiert, durchgeführt an Gundolfs Veröffentlichungen und dem Streit um die Wiederbesetzung des Berliner Lehrstuhls 1913 (S. 384 ff.). Auf diese Weise entstehen Binnendifferenzierungen des wissenschaftlichen Feldes, die es dem Autor ermöglichen, orthodoxe und heterodoxe Positionen zu scheiden und Kampffronten zu beschreiben im Falle Gundolfs aus Sicht der etablierten Philologie: akzeptable >Kräftegeschichte< in Shakespeare und der deutsche Geist, inakzeptable Reduktion der Forschungsgegenstände und ihrer Untersuchungsmethoden im Gestalt-Konzept des Werkes Goethe (1916). Die Feldkostellation führte schließlich institutionell zur Vergabe von Lehrstühlen und damit von Macht an die traditionell operierende Germanistik.
Die Frontbildungen belegen aber auch sehr überzeugend die theoretische Hilflosigkeit und axiomatische Widersprüchlichkeit der Germanistik angesichts der >scienza nuova<. Erst im Verlauf der zwanziger Jahre konsolidiert sich die Germanistik wieder und läßt die Geistesgeschichte sowie die >George-Schule< in einem Prozeß der Institutionalisierung in das Establishment des Fachdiskurses einrücken. Gleichzeitig wird damit die >Veralltäglichung< der Inhalte angezeigt (vgl. S. 389 ff., S.404). "[...] überhaupt ließe sich am Leitfaden der Positionszuweisungen für Gundolf eine Geschichte der Germanistik zwischen 1910 und 1930 mühelos skizzieren" (S. 390).
An diese differenzierte Analyse schließt sich ein Überblick zu "George-Kreis und Universität bis 1933" an, der Karrieren der Kreismitglieder beschreibt, um die >Wirkung Georges auf die Wissenschaft< institutionengeschichtlich zu überprüfen. Fest steht für Kolk:
Aus institutionengeschichtlicher Sicht bleibt der George-Kreis an der deutschen Universität bis in die vierziger Jahre dauerhaft, aber marginal präsent (S. 415).
Öffnung des Kreises
für politische Konkretisationen
Dennoch konstatiert er für den Kreis eine "erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit" in den zwanziger Jahren (S. 426). Diese begründet er durch flankierende Bewegungen wie die Konservative Revolution oder die Bündische Jugend, die dem George-Kreis vergleichbare Theoreme und Utopien formulieren, ohne daß damit die Bedeutung der jeweiligen Aussagen minimiert wird, sondern diese im Gegenteil eine Steigerung zu allgemeingesellschaftlichen Postulaten erfahren können.
Zugleich führt dies vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse der zwanziger Jahre zu einer problematischen Öffnung des Kreises auch für politische Konkretisationen seines Programms, das die ästhetisch-heroische Lebensform nun über ein erneuertes >Deutschtum< einfordert.
Darüber hinaus, das zeigt Kolk überzeugend, erlaubt das wenig konkrete Oszillieren des Kreises zwischen >geistigem Reich< und realpolitischer Gestaltung auch eine von außen an George und den Kreis herangetragene Konkretisierung, welche die in gesellschaftlichen Teilbereichen akzeptierte Position Georges als Seher und Deuter entscheidend mitträgt. Sie wird aber auch von den Kreismitgliedern selbst zum Anlaß einer Intepretation der >Lebensform< im Diskursfeld von Nation, Rasse, Deutschtum und staatlicher Erneuerung genommen (vgl. S. 427 ff., S. 455 ff.). Dabei, so zeigt Kolk am "Kronzeugen Platon", werden zugleich historische Bezüge eingesetzt, die den vorgetragenen Bestrebungen Legitimität verleihen, ihre Wirkungspostulate gleichsam in einen unhinterfragbaren weltgeschichtlichen Zusammenhang setzen (vgl. S. 477 ff.) eine Diskursstrategie, die schließlich auch die Nationalsozialisten souverän beherrschten.
Dies leitet über zu Kolks abschließender Frage nach der Diskursteilnahme und den politischen Aktivitäten der Kreismitglieder nach 1933.
Wiederum entfaltet Kolk ein Feld, das er in kontroverse Binnendiskurse des Kreises, Rezeptionswege der Kreisverlautbarungen und der Lyrik Georges sowie institutionengeschichtliche Entwicklungen unterteilt. Dadurch gelangt Kolk zu einer differenzierten Betrachtungsweise, die eine vorschnelle Analogisierung von Theoremen und Diskursen vermeidet, ohne die Problematik der sich in den zwanziger Jahren im Kreis entwickelnden politischen Deutungsmuster zu unterschlagen. Die Gründe der heterogenen Orientierungen der Kreismitglieder nach 1933 werden überzeugend erhellt (vgl. z. B. S. 495 f.). Sachlogik der Institutionen wird behutsam mit der Macht der Diskurse in Beziehung gesetzt und am Beispiel der Gleichschaltung der Universität Kiel vorgeführt (vgl. S. 521 ff.).
Kolk entzieht sich zu Recht einer abschließenden, notwendig moralischen Beurteilung des Kreises unter dem "Telos Nationalsozialismus" (S. 540), aber er liefert exakte Analysen, die wissenschaftliches Verständnis eröffnen, mithin dem eingangs zitierten Anspruch Kolks voll zu entsprechen vermögen.
Gesamturteil
Eine Studie, die nicht nur durch den souveränen methodischen Umgang mit und sicheren Zugriff auf heterogene und vielfältige Quellen überzeugt, sondern auch erfolgreich eine Bresche durch das Dickicht der Forschungsliteratur und der vielfältigen Theorieangebote schlägt und zugleich Diskursfelder und Autorenpositionen konturiert, die es dem Leser ermöglichen, neue Perspektiven der Interpretation weiterzuverfolgen.
Kolk entfaltet eine Interpretation des Kreises, die diesen vornehmlich auf seine strategischen Elemente rückführt. Er beleuchtet damit aber nicht etwa nebensächliche Aspekte; im Gegenteil führt dieser Zugriff mitten in den Kern des Kreises, seiner Organisation und Wirkungsweisen. Dennoch ist anzumerken, daß Distinktionswillen und die damit verbundenen Strategien oft zu stark in den Vordergrund der Analyse treten. Dieser Zugriff muß notwendig Personen und ihre Handlungsautonomie in den Hintergrund treten lassen, sie werden häufig zu Vollzugsgehilfen systemimmanenter Strukturen. Daher fragt der Leser von Zeit zu Zeit nach den unterschiedlichen Akteuren und nach Inhalten und Absichten, die über die strategische Umsetzung des Projekts des Kreises hinausgehen. Dennoch: im Analysefeld von Distinktion, Differenz, Systemfunktionalität und Feldlogik wird der Versuch einer "ästhetisch-heroischen Lebensform" umfassend ausgeleuchtet.
Kolk gelingt es zudem, die Felder Kunst und Wissenschaft in ihren Bewegungen zwischen 1890 und 1945 prägnant zu konturieren. Dabei gerät die Analyse der Außenbedingungen der Subsysteme und Felder (politische Ereignisse, soziale Entwicklungen etc.) und ihrer die Aktionen in den Feldern bedingenden Implikationen manchmal ein wenig kurz, so daß der Eindruck entstehen kann, die Felder könnten Autonomie beanspruchen wo doch gerade die Wechselwirkung zwischen Innen- und Außenraum die Dynamik der Felder bestimmt und die Bedeutung des George-Kreises entscheidend mitträgt.
Pointiert formuliert: eine zeitweilige Hintanstellung gruppensoziologischer und systemorientierter Fragestellungen zugunsten eines stärker auf Inhalte, Akteure und >Ereignisgeschichte< gerichteten Blickwinkels, wie sie Bourdieus Feldtheorie durchaus ermöglicht, würde dem Leser in manchen Kapiteln ein tieferes Verständnis der ansonsten sorgfältig nachgezeichneten Organisationsformen, Diskurse und Distinktionsstrategien des Kreises eröffnen einem Leser; das sei noch angemerkt, dem durch die gewählte Fachsprache die Durchdringung des Textes nicht immer leicht gemacht wird.
Diese Bemerkungen schmälern aber kaum den Wert der Studie, die sich durch einen konsequent durchgeführten Blickwinkel auf den Kreis auszeichnet, der dessen Strategien, Potentiale und Entwicklungsstadien auf allen Wirkungs- und Binnenebenen kritisch zu erfassen vermag.
Dr. Carola Groppe
Institut für Pädagogik
Ruhr-Universität Bochum
Universitätstr. 150
D-44801 Bochum
Ins Netz gestellt am 25.05.1999. Update12.03.2001
Copyright © by the author. All rights reserved.
This work may be copied for non-profit educational use if proper credit ist given to the author and IASL online.
For other permission, please contact
IASL online.
Weitere Rezensionen stehen auf der Liste
neuer Rezensionen und geordnet nach
zur Verfügung.
Möchten Sie zu dieser Rezension Stellung nehmen?
Oder selbst für IASL rezensieren? Bitte
informieren
Sie sich hier!