IASLonline

Kartografie der Moderne

Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung von Hofmannsthals Reden und Aufsätzen 2 (1902-1909)

  • Hugo von Hofmannsthal: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe. Band XXXIII: Reden und Aufsätze 2. Hg. von Konrad Heumann und Ellen Ritter. Frankfurt/M.: S. Fischer 2009. 866 S. Leinen. EUR (D) 278,00.
    ISBN: 978-3-10-731533-8.
[1] 

Lange hat die Fachwelt darauf gewartet, nun ist es endlich soweit: Das jahrzehntelang mit großem Engagement und langem philologischem Atem geführte Projekt der kritischen Ausgabe sämtlicher Werke Hugo von Hofmannsthals (1874 – 1929) kommt an sein Ende. Was es bis 2013 bereit hält, ist von langer Hand als krönender Abschluss des Ganzen vorbereitet: In rascher Folge kommen nun neben Hofmannsthals Reden und Aufsätzen die Zeugnisse seiner Herausgebertätigkeit, Das Buch der Freunde sowie Autobiographisches und Aufzeichnungen auf die Büchertische beziehungsweise in die Bibliotheken. Ein besonderes Highlight, das in dieser umfassenden Form bislang kaum einem Autor zuteil wurde, wird die bereits für Ende 2011 erwartete kritische Ausgabe von Hofmannsthals Bibliothek sein, die auf 1100 Seiten nicht nur detaillierte Angaben zu den Bänden, sondern auch die Transkriptionen sämtlicher Eintragungen und Anstreichungen Hofmannsthals enthalten wird.

[2] 

Den Auftakt zur Herausgabe von Hofmannsthals ästhetischen Schriften, denen man in Erinnerung an seine Abneigung gegen den großspurigen Begriff des ›Essays‹ die weitaus bescheideneren Bezeichnungen der ›Reden‹ und ›Aufsätze‹ zugedacht hat, machte bereits 2009 der zweite Band der Reden und Aufsätze, der Beiträge aus den Jahren zwischen 1902 und 1909 enthält. Nach Jahrzehnten, in denen die Forschung diesen überaus wichtigen Bereich von Hofmannsthals Schaffen immer wieder reflektiert und einmal mehr, einmal weniger zur Grundlage der Interpretation seiner literarischen Werken gemacht hat, steht eine zeitgemäße Neubewertung jener Texte ins Haus, mit denen der Autor vom Anfang seiner dichterischen Tätigkeit an ein vielbeachtetes Echo zu den Künsten und den kulturellen Erscheinungen seiner Zeit gegeben hat.

[3] 

Die Erwartungen und der damit verbundene Erwartungsdruck sind einst wie jetzt hoch. Der Name Hofmannsthal und die Pseudonyme, hinter denen er sich in den ersten Jahren seiner literarischen und kulturellen Publikationstätigkeit aufgrund seiner Jugend noch verbergen musste, bürgen seit jeher für Qualität und Tiefsinn. Wie immer harmlos und scheinbar oberflächlich die einzelnen Texte auch daherkommen mögen, was als intime Redenotiz für einen kleinen ausgesuchten Hörerkreis überlebt oder in allerlei Tageszeitungen, Wochen- und Monatsschriften abgedruckt wurde, eines wollte und will es wohl immer noch mit seinem Erscheinen oder seinem bloßen Ausgesprochenwerden: uns etwas ganz Bestimmtes sagen, ohne dieses aber genau zu benennen.

[4] 

Dem ästhetischen Sendungsbewusstsein Hofmannsthals entsprechend gleicht die neue Ausgabe der Reden und Aufsätze ihrer materialästhetischen Ausgangslage zum Trotz mehr einer Kunstausstellung als einer Sammlung von Redenotizen und Zeitungsschnipseln. Wie die Exponate einer Ausstellung werden die Texte im Rahmen ihrer kritischen Edition neu gruppiert und erhalten schon allein durch ihre manchmal ungewohnte Platzierung neue Facetten und Bezüge. In der zeitlichen Distanz zu ihrem jeweiligen Anlass werden die Texte ihrer ursprünglichen Funktion als journalistische oder kunsttheoretische Texte enthoben. Mit ihrer schillernden Rhetorik und ihren poetischen sowie poetologischen Implikationen mutieren sie im Kontext der Sämtlichen Werke selbst zu Kunstwerken, die sich vollkommen selbst genügen.

[5] 

Eigentlich verlangt ein Band wie dieser, der so unterschiedliche Saiten der Kultur zum Klingen bringt, eine Unzahl von Rezensionen. Jedes Mal, wenn man ihn aufschlägt, findet man sowohl in den Texten selbst als auch in den Varianten und Erläuterungen neue Details, erschließen sich neue Perspektiven und Zusammenhänge. Hier können aus dem Kaleidoskop der Erscheinungen nur zwei wiederkehrende Prinzipien von Hofmannsthals kulturtheoretischem Schaffen, das freilich immer auch ein künstlerisches, poetisches Schaffen bleibt, herausgearbeitet werden. Der Zusammenhang zwischen der Musik der Rede und dem Erlebnis der Kunst steht für das eine Prinzip, das Projekt einer kultursemiotisch konstruierten Landkarte des ersten Jahrzehnts eines neuen Jahrhunderts für das andere. Auch wenn der Band keine großen Überraschungen bereit hält – selbst unter den nachgelassenen Schriften (S. 205 – 246) findet sich kein wirklich spektakulärer Text, dessen erstmalige Veröffentlichung hier als großartige Trouvaille zu feiern wäre –, das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Und es macht Lust auf mehr!

[6] 

Die Musik der Rede und das Erlebnis der Kunst

[7] 

Es beginnt mit einem leisen Paukenschlag. Ein Text, der im Kontext der Hofmannsthal-Forschung schon so manchem als Schlüssel zu Hofmannsthals dichterischer Zauberwelt gedient hat, steht gleich am Anfang: Die legendäre Ansprache gehalten von Hugo von Hofmannsthal am Abend des 10. Mai 1902 im Hause des Grafen Karl Lanckoroński gibt – im wahrsten Sinne des Wortes – den Ton zu dem an, was den Leser auf den nächsten zweihundert Seiten Primärtext erwarten wird. Der rhetorische Bescheidenheitsgestus, mit dem der immer noch junge Dichter, der erst kürzlich geheiratet und sich trotz Familiengründung gegen den Brotberuf einer Universitätskarriere und für das Risiko einer schriftstellerischen Laufbahn entschieden hat, den Auftakt gibt, ist Programm: »[E]inige wenige unzulängliche Sätze« (S. 7) sollen die Zuhörerschaft dieser Rede in die beneidenswerte Lage versetzen, das Ambiente eines Hauses zu genießen, das nach heutigen Begriffen mit Kunstwerken und Kunsthandwerk aller Art schrecklich überladen ist. Der ästhetische ›Einpeitscher‹ Hofmannsthal richtet sich dabei nicht von ungefähr an das musikalische Harmoniebedürfnis einer Zuhörerschaft, die sich am Prunk der auf sie einstürmenden Eindrücke mehr zerstreut als sammelt.

[8] 
Lassen Sie mich das, was ich zu Ihnen sprechen will, und woraus Sie keinerlei Belehrung, welcher Art immer, schöpfen werden, mit wenigen Tacten einer bescheidenen Musik vergleichen, nicht so stark, dass sie um ihrer selbst willen beachtet zu werden brauchte, aber harmonisch genug, um die Sinne der Hörenden sanft aufzuregen und sie bereiter zu machen, das Schöne zu empfinden. (S. 7)
[9] 

Mit leisen Pfoten dirigiert der universelle Kapellmeister Hofmannsthal seine Zuhörer- und Leserschaft in die richtige Stimmung. Was da auf uns zukommt, gibt sich zunächst den Anschein nur wenig mehr zu sein als ein Nebengeräusch: eine leise Hintergrundmusik, die als Einstimmung ins Schöne aber weitaus wirkungsmächtiger ist, als man zunächst denkt, und die für das Verständnis des Ganzen, das Hofmannsthal als alter Romantiker noch nicht ganz ad acta gelegt hat, keineswegs unwesentlich ist. Mehr noch als die begriffliche Dimension der Worte begeistert dieser Klang, dieses Zureden, mit dem insgeheim eine Gewalt heraufbeschworen wird, die am stärksten sonst nur der Musik zugesprochen wird, die Gewalt nämlich, »schöne Gebilde leben zu machen« (S. 7).

[10] 
Man redet, und hinter dem Rücken der Redenden, auf dem Gobelin, blähen sich die Fruchtgewinde vor Leben und scheinen aus dem Gewebe vorzuquellen.
[11] 
Und das Getäfel der Wände nimmt manchmal, während niemand es beachtet, unter dem goldrothen Abendschein, der von draussen hereinfällt, sein ganzes Wesen an und den geisterhaften Anschein seines Wesens: es lässt den Baum ahnen, aus dessen Holz es geschnitten wurde: einen Augenblick zittert seine Wesenheit darüber hin. Und so vermag ein hangendes, ein hingebreitetes Gewebe für einen Augenblick gleichsam seinen Geist auszuhauchen: während es einer unterm Reden, unterm Schweigen starr ansieht, wird sich ihm auf einmal offenbaren, dass da Geknüpftes ist, von Menschenfingern in endlosen Stunden zu Tausenden von Knoten Zusammengeknüpftes, und einen Augenblick wird dies tausendfach Geknüpfte aufleuchten und die erstarrte Lebendigkeit, die Form gewordene Willkür der zusammentretenden Farben und Schattirungen [sic!] erkennen lassen, wie eine nächtliche Landschaft unter einem grossen Blitz die Verknüpfung der Strassen und das Zusammentreten der Hügel für einen Augenblick erkennen und dann wieder ins Dunkel zusammensinken lässt. (S. 7 f.)
[12] 

In unscheinbaren Beschreibungen wie dieser entfaltet sich eine komplexe Programmatik, in der sich nicht nur Hofmannsthals poetologisches Verfahren, sondern sein gesamtes, nicht weniger poetisches Weltverständnis abbildet: Konkreter Ausgangspunkt sind – für Hofmannsthal nicht überraschend – wieder einmal die magischen Augenblicke, in denen die künstlichen Gegenstände hinter dem Rücken ihrer mehr oder weniger aufmerksamen Betrachter blitzartig auf einer außersprachlichen, gar nicht bewussten Ebene ihr ganzes gespenstisches Leben entfalten. Die verborgene Materialität des Artefakts (der Baum, aus dessen Holz das Getäfel der Wände gemacht ist) und die Mühsal des Gemachtseins (das von Menschenfingern in endlosen Stunden und aus Tausenden von Knoten zusammengeknüpfte Gewebe) werden in diesen vereinzelten Augenblicken ebenso offenbar, wie die damit untrennbar verwobenen Aspekte der formalen Gestaltung oder des Inhalts, wobei vor allem Letzterer aus gutem Grund nicht ausbuchstabiert wird. Was so entstehen kann, bleibt als Projektionsfläche für alles Mögliche notwendig unbeschrieben und leer, stellt dabei aber dennoch für einen blitzartigen Moment eine Hoffnung von Orientierung hinsichtlich des Gewirrs an Straßen und Hügeln in Aussicht.

[13] 

Den Schlüssel zum Zweck beziehungsweise zu der von Hofmannsthal verfolgten Strategie der Rede findet man in den Zeugnissen. Hier heißt es in einem Brief vom 13. April 1902 an den Grafen Lanckoroński, dass Hofmannsthal seinem Selbstverständnis gemäß »nicht über etwas sprechen« wolle, sondern er

[14] 
möchte etwas wie eine Begrüßungsrede halten, möchte in der allgemeinsten, fast lyrischen Form, verdolmetschen, was ein Haus angefüllt mit Sammlungen, mit Schätzen und débris 1 der Vergangenheit, einer Gruppe lebender Menschen zu sagen hat, welchen Zauber es ausübt und welche Lehre es giebt. Ich habe das ganze vor mir, »ein paar Sätze« wie Sie es zu wünschen scheinen, durchwebt von ein paar Metaphern; mit einem Hauch von Wien. (S. 263)
[15] 

Man weiß nicht, was es ist, aber es ›riecht‹ mondän, allumfassend und soll sich darüber hinaus wunderbar lebendig anfühlen. Das dichterische Selbstverständnis mag dabei immer noch bescheiden wirken, im Endeffekt gilt es für den wahren Dichter aber doch recht ordentlich auf den Putz zu hauen. In einem Brief, der sechs Tage später datiert ist, macht Hofmannsthal seinem Geldgeber noch einmal klar, was von einem Dichter (wie ihm) zu erwarten ist:

[16] 
Wenn der Dichter irgend einem Fest beiwohnt so soll er sich, glaube ich, weder als das Sprachrohr des Hausherrn, noch als das der Gäste fühlen, sondern als etwas Drittes: wie ein Priester soll er alle Dinge sub specie aeterni betrachten, vom speciellen ganz absehen, das Allgemeine, das Symbolische, das im eigentlichen Sinn Poetische der Situation – und jeder Situation – zu erfassen trachten. (S. 264)
[17] 

Als »Dichter«, der sichtlich mehr sein will als bloß ein weiterer hübscher Aufputz für ein gesellschaftliches Event, kultiviert Hofmannsthal ein Selbstverständnis, demzufolge die Kunst als Lebensmittel und nicht als schöner, aber im Großen und Ganzen überflüssiger Zierrat verstanden wird. Der Dichter als Priester liefert ein universelles Welterklärungsmodell. Sein Tun ist Bezauberung und Magie. Im Zentrum dieses Tuns steht nicht mehr und nicht weniger als das »Erlebnis der Kunst«, das über die körperliche Beteiligung und Aufnahmefähigkeit des Betrachters zum phänomenologischen Schlüssel des Weltwahrnehmens und Weltverstehens gemacht wird. Im »Erlebnis der Kunst« wird buchstäblich alles lebendig.

[18] 

So naiv und altertümelnd dies auf den ersten Blick erscheinen mag, vergleichbare Bezauberungsstrategien findet man sogar in unserer so abgebrühten und aufgeklärten Medienwelt. Kinder und Junggebliebene fühlen sich auch heute noch in digital animierten Zeichentrickfilmen wie Toy Story in die ebenso actiongeladene wie sentimentale Welt ihrer zum Leben erweckten Spielsachen zurückversetzt und sogar aktuelle Nobelpreisträgerinnen wie Herta Müller finden es in ihren Kindheitserinnerungen rückblickend ganz plausibel, dass Katzen in der Nacht miteinander sprechen und Möbel sich im Dunkeln solange bewegen, bis irgendwer das Licht anknipst. 2

[19] 

Das Prinzip der Animation, der Beseelung, mit dessen Hilfe man selbst den leblosen Dingen eine Bedeutung, eine zauberhafte Dynamik, ja sogar ein Leben einhauchen kann, hat nicht nur etwas zeitlos Naives, sondern auch etwas bezaubernd Poetisches. Die Vivifizierung der Dinge als Ursprung der Phantasie und der Einbildungskraft wird in Hofmannsthals Reden und Aufsätzen nicht nur als notwendige Grundlage jedes Kunstgenusses, sondern gleichsam als anthropologische Konstante betrachtet.

[20] 

Das »Erlebnis der Kunst zum tragisch gespannten Inhalt des Lebens« (S. 244) zu machen, wie Hofmannsthal es im vorletzten Text dieser Sammlung, einer nachgelassenen Grußadresse an Harry Graf Kessler, bezeichnet, ist eines ihrer heimlichen Vermittlungsziele. »Kunstwerk, Symbol, Mythos, Religion« (S. 10) haben die Kraft, das Chaos der Welt und das Unzusammengehörige, Getrennte für einen Augenblick zu vereinen. Die Grußadresse an Kessler, die Hofmannsthal anlässlich der Überreichung eines alten chinesischen Bronzegefäßes durch eine Reihe international bekannter Künstler geschrieben hatte (vgl. S. 827), fasst diese schon in der Lanckoroński-Rede beschworene Magie für den konkreten Anlass noch einmal zusammen:

[21] 
Wir gehören zu geschiedenen Generationen, geschiedenen Ländern; wir treiben geschiedene Künste. Jeden umgiebt die namenlose Einsamkeit seines Daseins. Diese werfen wir für einen Augenblick ab, treten aus dreifacher Getrenntheit neben einander und halten Ihnen in unseren Händen, die niemals wieder vereinigt sein werden, dies Geschenk hin, dies Werk der Kunst, das uralt, unzerstörbar, symbolisch und heilig ist. Möge Ihnen unsere Gabe kostbar scheinen als eine Erinnerung an diesen Moment, den nur Sie hervorrufen konnten, – an diese Geberde [sic!], die sich in Generationen nicht wiederholen wird. (S. 244.)
[22] 

Es ist das Einzigartige dieses Erlebens, das hier in der unwiederholbaren »Geberde« der Überreichung eines uralten Kunstwerkes kulminiert, durch das die sonst vielleicht unüberbrückbaren Unterschiede zwischen den Generationen, den Ländern und Künsten für einen zauberhaften Augenblick zugunsten der anthropologischen Vision universeller Zusammengehörigkeit aufgehoben sind. Im Mittelpunkt aber steht neben dem Kunstwerk, das »uralt, unzerstörbar, symbolisch und heilig« ist, das empfangende Subjekt, steht mit Harry Graf Kessler stellvertretend für alle Liebhaber der Künste der Mensch, der die Darbietung dieses Geschenks zu schätzen weiß. Ihm ist die Kunst kein leeres, nichtsnutziges Gefäß, sondern – wie es nun wieder am Ende von Hofmannsthals Ansprache im Hause Lanckoroński heißt – ein fortwährender Jungbrunnen der Bewunderung.

[23] 
Denn »die Kunst«, sagt Goethe, »lässt sich ohne Enthusiasmus weder fassen noch begreifen. Wer nicht mit Erstaunen und Bewunderung anfangen will, der findet nicht den Zugang in das innere Heiligthum. Und der Kopf allein fasst kein Kunstprodukt, als nur in Gesellschaft mit dem Herzen. (S. 11)
[24] 

Die Aussage, die sich Hofmannsthal mit Hilfe seines eigenen schöpferischen Zitatverfahrens sinngemäß zurechtgebogen hat, 3 stellt so etwas wie ein von Goethe übernommenes und gleichzeitig mit eigenen Worten ›modernisiertes‹ Glaubensbekenntnis der hier versammelten Arbeiten dar. Die Lanckoroński-Rede hat durch ihre prominente Stellung am Beginn des Bandes die Funktion einer Einleitung. Von hier werden die Fäden für das weitere Verständnis der nachfolgenden Texte gesponnen.

[25] 

Die Herausgeber operieren dabei bewusst im Hintergrund. Im Mittelpunkt steht der Text in seinem klaren, wie gewohnt gut lesbaren Schriftbild. Die Kommentare zur Entstehung und die Erläuterungen zum Text verlieren sich nicht in Details oder Tendenzen, sondern bringen das Notwendige, das Wissenswerte zur Kenntnis. Mit Hilfe der Angaben zur Überlieferung und den Varianten des Textes erhält man einen Überblick über die Materialgrundlage und Einblicke in weiterführende Gedankengänge und frühere Phasen der Textentwicklung. Gemeinsam mit den wichtigsten Zeugnissen zum Text versorgt der Anhang der Varianten und Erläuterungen auch den Unwissenden in Sachen Hofmannsthal mit einem informativen, aber nirgends tendenziösen ›Carepaket‹, das genügend Freiraum lässt, sich selbst einen Reim zu machen, andererseits jedoch auch ausreichend Orientierung gibt, um die Texte in die richtigen Kontexte einzubinden.

[26] 

Der Weg ist das Ziel: eine Kartografie der Moderne

[27] 

Poetische Texte und poetologische Überlegungen sind bei Hofmannsthal eng miteinander verknüpft und im Einzelfall nur schwer voneinander zu trennen. Die Herausgeber der vorliegenden Ausgabe haben dieses typisch moderne, auch kulturwissenschaftlich deutbare Grundverständnis der Reden und Aufsätze Hofmannsthals vor allem durch die Aufnahme von Texten zum Ausdruck gebracht, die man – wie zum Beispiel Die Wege und die Begegnungen und die Augenblicke in Griechenland – bislang aus anderen Kontexten kannte. Was wir hier an Texten aus den Jahren 1902 bis 1909 und an Nachgelassenem aus den Jahren 1901 bis 1908 versammelt finden, steht ganz im Bannkreis von Hofmannsthals Chandos-Brief, einem Schlüsseltext der Moderne, der 1902 seine unprätentiöse Premiere nicht von ungefähr als Zweiteiler in zwei Wochenendausgaben der Berliner Zeitung Der Tag gefeiert hat. 4 Dementsprechend ist das Ganze stets von der Bemühung gekennzeichnet, die Grenzen zwischen Kunst und Leben, Dichtung und Philologie, literarischem Kleinod und feuilletonistischer Fließbandarbeit zu durchbrechen oder zumindest unkenntlich zu machen.

[28] 

In einer Atmosphäre der Atomisierung, der Zusammenhanglosigkeit des Einzelnen wird der Dichter mit seiner Einbildungskraft und der Zauberkraft seiner Wortmelodien zum Visionär des Ganzen. Überall erwartet und begegnet einem das wirre Chaos der Erscheinungen: Adelige Kunstsammlungen, wie jene des Grafen Lanckoroński, sind nur ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Situation im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, wo partikuläre Einzelinteressen nur relativ lose zusammengebunden werden durch ein Symbol: den Kaiser. 5 Ähnlich wie dieses mehr durch Gewohnheit als durch wirkliche Autorität bezwingende Zentrum des Staates, herrscht der Dichter über die Phänomene und sucht den Zusammenhalt von Leben und Kunst, der ähnlich bedroht, weil mindestens ebenso illusionär ist wie das marode Gefüge des Staates. Beide sind auf den guten Willen ihrer Untertanen angewiesen.

[29] 

Als Meister der Semiose ist für Hofmannsthal der Inhalt weniger von Belang als die Akte der Codierung und Decodierung von Bedeutung, der Weg, die Fährte, der Akt des Spurenlesens, das Hinabtauchen ins Unlesbare, nicht mehr Erinnerbare (wie er es unter anderem in den Wegen und Begegnungen in Szene setzt). Der Autor legt die Fährte aus, er gibt die Stichworte, aber ohne die Einbildungskraft und das literarische wie kulturelle Hintergrundwissen seiner Leserinnen und Leser, ohne deren Bereitschaft, sich mit dem Dichter auf den Weg zu machen und die erotische Pantomime der Begegnung (vgl. S. 155) zu vollziehen, ist alles nichts. Dabei ist das, was uns an Inhalten hier aufgetischt wird, in seiner Summe nicht weniger als eine poetische Kartografie: das mehr oder weniger grob gesponnene Gewebe der kulturellen Landkarte des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts.

[30] 

Was wir ausgebreitet finden, hat für heutige Leserinnen und Leser den dezenten Charme eines Flohmarkts, auf dem die vielfältigen multikulturellen Erscheinungen und Begleiterscheinungen der literarischen Moderne ausgestellt werden. Hier begegnet man alten wie neuen Dichtern und Denkern vorzugsweise deutscher, französischer und englischer Sprache. Schiller und Goethe sind ebenso prominent vertreten wie Grillparzer, Diderot, Balzac, Flaubert, Shakespeare oder Oscar Wilde. Sogar zu Karl Kraus und Detlev von Liliencron ergibt sich in diesem Zeitraum ein einmaliger, nicht ganz unproblematischer Berührungspunkt. Über Reiseschriftsteller wie Lafcadio Hearn oder die Auseinandersetzung mit der modernen Gartenkunst findet man Bezüge nach Japan oder über die von Hofmannsthal sehr geschätzten Erzählungen von 1001 Nacht auch solche zum Orient. Dem ›russischen Rousseau‹ Leo Tolstoi wird zum achtzigsten Geburtstag gratuliert, nicht jedoch ohne sein mystisches, von christlichen Formeln verwässertes Heidentum gleichzeitig gegen die weitaus geheimnisvollere »Eigenwahrheit« eines Dostojewski auszuspielen (vgl. S. 199).

[31] 

Hofmannsthal äußert sich nicht nur zu eigenen Bühnenwerken oder zu allgemeinen Fragen des Theaters, sondern auch zu namhaften Schauspielerinnen wie Eleonore Duse oder unvergleichlichen Tänzerinnen wie Ruth St. Denis. Auf einer dreitägigen Sommerreise nach Italien stoßen wir auf die Rotonda des Palladio, in Griechenland sind es Mönche, einsame Wanderer und Statuen, die unsere Aufmerksamkeit fordern. Mit einem Prolog zu Ludwig von Hofmanns Tänzen (1905) und einem Nachruf auf Richard Muther (1909) betreten wir die Arbeitsfelder der bildenden Kunst und der Kunstgeschichte, mit einem kurzen Beitrag über Ludwig Gurlitt machen wir sogar einen Ausflug in die zeitgenössische Pädagogik. Mit seinem Nachruf Zum Tode Theodor Herzls (1904) und seinem Feuilleton anlässlich der »Zerstörung des Luftschiffs ›Z 4‹ am 5. August 1908«, das Hofmannsthal zu einer Lobrede auf Zeppelin inspiriert, die er für die Zeit in »genau 50 Minuten concipiert und niedergeschrieben habe« (S. 718), tauchen neben vielen heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Figuren der Moderne auch noch zwei allgemein bekannte Heroen der Kulturgeschichte auf.

[32] 

Dies alles kommentieren und alles mit Sinn erfüllen zu können, ist der Ehrgeiz und das Markenzeichen von Hofmannsthals dichterischem Tun, dessen Magie deshalb notwendigerweise auch auf Randbereiche der modernen Kultur ausgeweitet werden muss. Neben so manchem längst vergessenen Buch geraten so auch die medienkulturhistorischen Rahmenbedingungen der dichterischen bzw. schriftstellerischen Tätigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Blick. Die Umrisse eines neuen Journalismus (1907) beschäftigen Hofmannsthal am Beispiel eines Buchs von Oskar H. Schmitz ebenso wie verschiedene Phänomene des modernen Buchhandels. Die dazugehörigen Artikel sind entweder »als einführende Reflexion zu den Buchbesprechungen im engeren Sinne angelegt« (S. 339) 6 oder bedienen einen gewissen Werbeeffekt für konkrete Buchhändler oder Bucheditionen, wie die ausführlich kommentierte Bücherliste an den Wiener Verleger und Buchhändler Hugo Heller (1906) und der Brief zum Erscheinen der fünftausendsten Nummer von Reclams Universal-Bibliothek (1908).

[33] 

So unterschiedlich und so wahllos zusammengewürfelt wie die hier referierten Themen und Anlässe seiner Reden und Aufsätze, so disparat sind häufig auch die in den einzelnen Texten verhandelten Gegenstände und Beobachtungen. Die Strategie, die Hofmannsthal vor allem dann verfolgt, wenn es um die Beschreibung komplexer Zusammenhänge oder um das Exemplarische des jeweils vorgestellten Inhalts geht, ist auffallend gleichbleibend: Er beginnt mit der Aufzählung des Mannigfaltigen, Disparaten, beklagt sich dann über die Ohnmacht des Einzelnen angesichts der Fülle der Erscheinungen und schließt mit der Beschwörung einer visionären Ganzheit, die das fragile Gefüge – in der Regel nur für einen blitzartigen, aber im Gedächtnis bleibenden Moment – doch noch zusammenführt. Als moderner Dichtermagier operiert Hofmannsthal damit an der Schnittstelle zwischen einem semiotischen Verfahren, das die Welt als einzelne diskrete Zeichen verarbeitet und deren materielle, semantische und pragmatische Dimensionen reflektiert, und dem hermeneutischen Ehrgeiz, die Fülle der auf diese Weise isolierten, mannigfaltigen Phänomene mit Sinn zu erfüllen. Auf diese Weise wird das semiotische Prinzip des Zerlegens, Auswählens und Wiederzusammenfügens als hermeneutisches Grundprinzip einer gelungenen Lektüre und der dadurch angestoßenen Synthese von Kunst und Leben etabliert.

[34] 

Die eigentliche Voraussetzung dafür, dass diese Strategie aufgeht, ist ein unerschütterliches Vertrauen in den Leser, die Leserin, die diese Vorgehensweise kreativ zu verarbeiten haben. Ihr Glaube an die Macht des Textes und ihre Fähigkeit, die nach wie vor bestehenden Lücken zwischen den Zeichen selbst schließen und mit lebenden Bildern und Gefühlen erfüllen zu können, ermöglichen ihnen auf der Basis ihrer eigenen Lektüre- und Kulturerfahrungen den Zugang zu Hofmannsthals bruchstückartig hingeworfener Welt voller literarischer bzw. kultureller Bezüge. Die wesentliche Leistung des Dichters ist es in der grob skizzierten Sternenkarte der Phänomene den Überblick zu bewahren und dem Leser, der Leserin die notwendige Orientierung zu geben. Der Dichter dieser Zeit ist dementsprechend nicht nur unter den Dichtern und den Künstlern im engeren Sinne, sondern auch unter den Tagesschriftstellern und Wissenschaftlern der Zeit zu finden, zumindest unter jenen, die wie Hofmannsthal die unmöglich erscheinende Synthese scheinbar unüberbrückbarer Differenzen und Einzelerscheinungen anstreben.

[35] 

Die poetologischen und programmatischen Schriften geben hierfür das Orientierungsmuster vor: In ihnen werden die Rezepte ausgestellt, mit deren Hilfe die Dichter und Künstler die Zaubersäfte ihrer Weltsynthesen brauen. Ausschnitte aus Hofmannsthals Notizenfolgen für Diese Rundschau, in denen er bezugnehmend auf Die neue Rundschau des S. Fischer-Verlages auch das »Projekt einer idealen Zeitschrift« (S. 803) ins Auge fasst, und aus seinem im März 1907 in eben dieser Monatsschrift erschienenen Beitrag über den Dichter und diese Zeit illustrieren auch hier wieder die Geschlossenheit der Argumentation, wie wir sie durchgehend in den veröffentlichten wie nachgelassenen Werken dieser Schaffensphase finden können.

[36] 

Ausgangspunkt für die kulturpolitischen Überzeugungen Hofmannsthals ist der feste Glaube daran, dass »alle Künstler als Bringer von Harmonie zu sehen« (S. 235) seien. Die Kunst dient als mögliches Reservoir einer bedrohten, aber immer noch mobilisierbaren Utopie, mit deren Hilfe sich der Einzelne einen orientierenden Überblick über das verwirrende Chaos der Erscheinungen verschaffen kann. Auch wenn für das Tun der Dichter in dieser Zeit nach Hofmannsthals eigenen Angaben »keine Formel zu finden« sei, so steht dieses Tun doch »unter dem Befehl der Notwendigkeit« (S. 143). Die Dichter

[37] 
sind auf eine Sache in der Welt gestellt: die Unendlichkeit der Erscheinungen leidend zu genießen und aus leidendem Genießen heraus die Vision zu schaffen; zu schaffen in jeder Sekunde, mit jedem Pulsschlag, unter einem Druck, als liege der Ozean über ihnen, zu schaffen von keinem Licht angeleuchtet, auch von keinem Grubenlämpchen, zu schaffen, umtost von höhnenden, verwirrenden Stimmen; zu schaffen aus keinem anderen Antrieb heraus, als aus dem Grundtrieb ihres Wesens, zu schaffen den Zusammenhang des Erlebten, den erträglichen Einklang der Erscheinungen, zu schaffen wie die Ameisen, wieder verstört, wieder schaffend, zu schaffen wie die Spinne, aus dem eigenen Leib den Faden hervorspinnend, der über den Abgrund des Daseins sie trägt. (S. 143.)
[38] 

Die stille Provokation, mit der die ›Spinne Hofmannsthal‹ ihre Fäden auslegt, hat bereits eine Heerschar von Spurenlesern in die diversen Fallen hermeneutischer Überinterpretation gelockt. Wer sich jemals intensiver in einen seiner literarischen Texte vertieft hat, wird verstehen, was hier gemeint ist. Für den heutigen unbedarften Leser mag die Faszination, die von derartigen Harmonisierungsstrategien für die zeitgenössische Leserschaft Hugo von Hofmannsthals (und das Heer seiner philologischen Bewunderer und Ausleger) ausgegangen ist, nur schwer nachvollziehbar sein. Die zahllosen Bescheidenheitsgesten, mit denen ein im Zeitalter der klassischen Moderne vollkommen überfordertes dichterisches Individuum sich an die Be- und Umschreibung des modernen Lebens und seiner widersprüchlichen Phänomene macht, wirkt aus heutiger Sicht vielleicht sogar manches Mal ermüdend und lächerlich. Dennoch erweist sich die gewählte Strategie bei näherem Hinsehen immer wieder als erschreckend modern und verführerisch.

[39] 

Hundert Jahre nach Goethe macht sich der Dichter-Philologe Hofmannsthal nicht mehr nur über die Eskapaden seiner Deuter lustig, er entwickelt auch selbst die notwendigen Lock- und Duftstoffe für eine ausufernde Selbst- und Fremdlektüre mitsamt den dazugehörigen Irrwegen. Immer wieder lockt er die Zuhörer- und Leserschaft seiner ästhetischen Beobachtungen ins Halbdunkel traumhafter Zustände und epiphaner Augenblicke, in denen die beschworene Welt der stummen Dinge sich ebenso sprachlos wie erbarmungslos unserer bemächtigt. Denn dass wir ihrer nicht wirklich und nicht dauerhaft habhaft werden dürfen, das gehört zum immer wiederkehrenden Refrain von Hofmannsthals dichterischer Sisyphus-Arbeit. In der prinzipiellen Unabschließbarkeit und der notwendigen Unendlichkeit dieses Tuns findet Hofmannsthals Schaffen seine Rechtfertigung und seine Tragik.

[40] 

Denn dass derartige Harmonisierungsleistungen in einer zunehmend ausdifferenzierten Gesellschaft immer schwieriger zu bewerkstelligen sind, wird spätestens am Ende des Ersten Weltkriegs und in den zahlreichen Kulturutopien der 1920er Jahre, zu denen Hofmannsthal ebenfalls noch seinen Beitrag leisten wird, deutlich. In den Notizen zu Dieser Rundschau findet das zentrale Thema des Dichters und seiner Zeit noch eine versöhnliche Variation, die man auch einer immer wieder nach neuen Orientierungen und überraschenden Wendungen suchenden Hofmannsthal-Philologie für alle Zukunft ans Herz legen kann:

[41] 
Was wir machen ist gleich. Wir lügen nicht. Wir fühlen den Sturz des Daseins. Wir setzen nichts voraus. Wir spinnen aus uns selber den Faden der uns über den Abgrund trägt, und zuweilen sind wir selig wie Wölkchen am Abendhimmel. Wir schaffen uns einer am Andern unsere Sprache, beleben einer den andern. Wir tragen in uns einen Blick, ein Leiden, ein Gesicht, einen Ton. Jeder einzelne vermag das, was er gemacht hat, wieder aufzulösen, es wieder unendlich zu machen. Wir sind die deren Mund nicht stumm ist. (S. 236)
[42] 

Aufbruch in eine neue Ära – Ein Fazit

[43] 

Für die Hofmannsthal-Forschung markiert die Veröffentlichung der kritischen Ausgaben von Hofmannsthals kulturtheoretischen Schriften den Aufbruch in eine neue Ära. Als Rezensent kann man derartigen Bemühungen im Grunde nur eines wünschen: eine möglichst große Leserschaft und anhaltende philologische Aufmerksamkeit.

[44] 

Die Herausgeber des Bandes, das lässt sich nicht verhehlen, sind Meister ihres Fachs und bearbeiten den Kosmos der Texte weit über ihre eigentlichen Grenzen hinaus mit selbstverständlicher Eleganz und der notwendigen Distanz. Konrad Heumann hat die Kennerschaft des von ihm übernommenen Anteils bereits mit seiner Dissertation bewiesen, in der er sich vor allem mit den Reden bzw. Redeentwürfen im Hause Lanckoroński sowie mit zwei Fassungen der Wege und Begegnungen (1907 und 1917) auseinandergesetzt hat. 7

[45] 

Ellen Ritter, die im Hintergrund wirkende Grand Dame der kritischen Hofmannsthal-Edition, der wir nicht nur die meisten Bände, sondern auch noch einige der kurz bevorstehenden Ausgaben in wesentlichen Teilen verdanken, hat sich hier selbst ein Denkmal gesetzt. Mit ihrer bescheidenen Art, ihrem gesunden Abstand zum Gegenstand und ihren offenen Ohren und Armen für die heranwachsenden Generationen von Hofmannsthal-ForscherInnen hat sie, die anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung dieses Bandes verstorben ist, über Jahrzehnte die Hofmannsthal-Forschung stärker geprägt als so manche wissenschaftliche Monographie. Mit der Herausgeberschaft der Reden und Aufsätze 2 (1902 – 1909) sowie den noch ausstehenden, aber bereits zum Druck vorbereiteten Bänden wird sie der Hofmannsthal-Forschung nicht nur lange in Erinnerung bleiben, sie hat ihr damit auch den Weg in die Zukunft gewiesen.

 
 

Anmerkungen

Überbleibsel, Trümmer.   zurück
Vgl. Herta Müller: Katzengeschrei [Track 01, CD 1]. In: Dies.: Die Nacht ist aus Tinte gemacht. Kindheitserinnerungen aus dem Banat. Berlin: supposé 2009.   zurück
Die Erläuterungen geben darüber kenntnisreich folgenden Aufschluss: »Hofmannsthal fügt hier zwei Zitate unterschiedlicher Herkunft aneinander. Die beiden ersten Sätze geben leicht gekürzt einen Nebensatz aus Goethes ›Rede zum Andenken des edlen Dichters, Bruders und Freundes Wieland‹ von 1813 wieder (u. d. T. ›Zu brüderlichem Andenken Wielands‹ in WA I.36, S. 328). Der dritte Satz variiert eine Formulierung aus Goethes Brief an Schiller vom 19. November 1796. Hofmannsthal zitiert sie nach Hans Gerhard Gräf, Goethe über seine Dichtungen, 1. Teil: Die epischen Dichtungen, 2. Band, Frankfurt/M. 1902, S. 868 (FDH/HvH Bibl., die Stelle ist angestrichen).« Siehe S. 271.   zurück
Vgl. Hugo von Hofmannsthal: Ein Brief. In: Der Tag. Erster Teil: Illustrierte Zeitung. Berlin. Nr. 489, 18. Oktober 1902 (Teil 1), o. S. [S. 1–3] sowie in: Der Tag. Erster Teil: Illustrierte Zeitung. Berlin. Nr. 491, 19. Oktober 1902 (Teil 2), o. S. [S. 1–3].   zurück
Vgl. S. 17 in »Hofmannsthals Feuilleton Aus einem alten vergessenen Buch«, in dem er »Auszüge aus dem zweibändigen Werk ›Traditionen zur Charakteristik Österreichs, seines Staats- und Volkslebens, unter Franz dem Ersten‹ von Friedrich Anton von Schönholz (1801–1845)« bringt (S. 275).   zurück
Vgl. dazu den im Tag erschienenen Aufsatz Der Tisch mit den Büchern, den Hofmannsthal am 18. Februar 1905 gemeinsam mit seinen Beträgen über Sebastian Melmoth und Diderots Briefe nach Berlin schickte (vgl. S. 339).   zurück
Vgl. Konrad Heumann: Hugo von Hofmannsthal: »Die Wege und die Begegnungen« sowie Reden und Aufsätze zwischen 1901 und 1907. Kritische und kommentierte Edition. Wuppertal: Phil. Diss. 2001.   zurück