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Svensson widmet sich in seiner von Walter G. Rödel betreuten Mainzer Dissertation aus dem Jahre 1999 der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken, einer der ältesten Bibliotheken der Pfalz, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Die Arbeit gliedert sich mit Bibliotheksgeschichte (S. 13–224) und Handschriftenkatalog (S. 225–347) in zwei Teile.
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Die Bibliotheca Bipontina ist eine öffentliche wissenschaftliche Bibliothek in Trägerschaft des Landes Rheinland-Pfalz. In ihrer heutigen Gestalt ist sie das Ergebnis einer recht komplizierten Bestandsgeschichte (anschaulich durch eine Graphik auf S. 348), wobei sie im wesentlichen drei alte Zweibrücker Bibliotheken umfaßt, nämlich die fürstliche Bibliothek, die Bibliothek des 1559 gegründeten Gymnasiums Illustre und die Bibliothek der fürstlichen Verwaltung, die sogenannte Kameralbibliothek.
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Zur Geschichte der Bibliotheken
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Diese Bibliotheken waren bis zu ihrer faktischen und rechtlichen Vereinigung zur Zweibrücker Gymnasialbibliothek im Jahre 1806 beziehungsweise 1816 unabhängig voneinander. Der heutige Bestand der Bipontina wurde fast ausnahmslos im 18. Jahrhundert zusammengetragen. Die alte Fürstenbibliothek sowie die Bibliothek des Gymnasiums, die über bedeutende Bestände verfügten, gingen in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nahezu verloren. Der Rest der fürstlichen Bibliothek wurde 1677 nach Frankreich verschleppt. Dies war das Ende der alten Bibliotheca Bipontina.
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Zu einem nennenswerten Neuaufbau der Buchbestände kam es erst im 18. Jahrhundert. Hier ist zunächst das Aufblühen des Gymnasiums, das von 1676 bis 1706 nach Meisenheim verlegt war, zu nennen. Die Fürstenbibliothek wurde nach Übernahme der Regentschaft durch die Birkenfelder Linie der Zweibrücker Pfalzgrafen praktisch neu gegründet. Dazu wurden unter Pfalzgraf Christian IV. (1735–1775) die reichen Buchbestände der Birkenfelder Linie, die sich im elsässischen Bischwiller befanden, nach Zweibrücken verlagert.
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Als Bibliothekar wurde der Gelehrte Georg Christian Crollius (1728–1790) verpflichtet, der zugleich Direktor des Gymnasiums war. Hier deutet sich schon eine parallele Entwicklung von Schul- und Fürstenbibliothek an. Der sich in Zweibrücken befindliche Birkenfelder Bestand ist wegen seiner Geschlossenheit von großer bibliotheksgeschichtlicher Bedeutung, denn er dokumentiert das Ideal fürstlicher Bildung in der Neuzeit. Unter Crollius wuchs die Bibliothek. Weitere Zuflüsse kamen aus den Beständen der Pfalzgrafen in Neuburg und Vohenstrauß. Auf diese Bestände geht Svensson in Exkursen ein. Auch die Bibliothek des Gymnasiums entwickelte sich erfreulich. Besonders hervorzuheben ist hier eine nahezu vollständige Sammlung der Editiones Bipontinae, einer Sammlung lateinischer und griechischer Klassiker, die von Crollius zusammen mit Friedrich Christian Exeter und Johann Valentin Embser seit 1779 herausgegeben wurde.
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Die von Pfalzgraf Christian gegründete Kameralbibliothek war demgegenüber eine kleine, an den praktischen Bedürfnissen einer aufgeklärt-absolutistischen Staatsverwaltung ausgerichtete Bibliothek. Nach der Zusammenlegung der drei Bibliotheken ab 1806 war die Bipontina nur noch Gymnasialbibliothek, was den weiteren Bestandsaufbau prägte, vor allem in den Geschichts- und Altertumswissenschaften.
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Nach Schließung des Gymnasiums im Jahre 1988 wurde die Bibliotheca Bipontina als wissenschaftliche Bibliothek in Landesträgerschaft weitergeführt und hat heute ihren Schwerpunkt im Bereich des alten Buches und der Regionalgeschichte.
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Bibliothekswissenschaftliche Fragestellungen
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Insgesamt repräsentieren die in der Bipontina zusammengeführten Bibliotheken drei je unterschiedliche Bibliothekstypen, nämlich Hof-, Schul- und Verwaltungsbibliothek. Das macht den besonderen Reiz des Bestandes aus und bietet ein weites und ergiebiges Feld für bibliothekswissenschaftliche Fragestellungen. Entsprechend der Bestandsgeschichte liegt der Schwerpunkt von Svenssons Darstellung auf der Blütezeit des Zweibrücker Bibliothekswesens unter den Pfalzgrafen Christian IV. und Karl II. August in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er behandelt dabei Fragen des Bestandsaufbaus, aber auch der Verwaltung. Dabei versteht er es, allgemeine Aussagen durch konkrete Beispiele zu beleben und so dem Leser ein plastisches Bild vom Zweibrücker Bibliotheksleben zu geben.
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Die Handschriften der Bipontina
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Abgerundet wird Svenssons Arbeit durch den Handschriftenkatalog (S. 225–347). Zum Bestand der Bipontina gehören im wesentlichen neuzeitliche Gebrauchshandschriften. Für die Regionalgeschichte interessant sind die Matrikel des Zweibrücker Gymnasiums. Die Katalogisate, die sich an den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Handschriftenkatalogisierung orientieren, sind aussagekräftig. Svensson gibt überdies regelmäßig Hinweise auf Sekundärliteratur. Der nach Signaturen geordnete Katalog wird durch ein 66-seitiges Personen-, Orts- und Sachregister erschlossen.
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Auch wenn der Katalog eine gute und solide Arbeit darstellt, ist er doch etwas losgelöst von den übrigen Ausführungen Svenssons, die mehr Fragen der allgemeinen Bibliotheks- und Bestandsgeschichte, nicht jedoch speziell den Handschriften gewidmet sind. Andererseits hat Svensson durch die Aufnahme des Kataloges in seine Arbeit nicht nur eine gute bibliotheksgeschichtliche Monographie vorgelegt, sondern zugleich ein Kompendium für den historischen Bestand der Bipontina verfaßt.
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Abschließend ist die gediegene Ausstattung des Bandes bei moderatem Preis zu loben. Für jeden an pfälzischer Bibliotheks- und Bildungsgeschichte Interessierten ist Svenssons Arbeit eine lohnende Lektüre.
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